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Deutschland / Welt Spannung bei Stichwahl zwischen Frei und Piñera
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14:33 17.01.2010
Der Präsidentschaftskandidat Sebastián Piñera Quelle: afp

Rund 8,3 Millionen Chilenen haben am Sonntag den Nachfolger der beliebten Präsidentin Michelle Bachelet gewählt, die gemäß der Verfassung nicht wieder kandidieren durfte. In den letzten Umfragen zeichnete sich ein äußerst knapper Ausgang der Stichwahl zwischen dem rechtsgerichteten Milliardär Sebastián Piñera und dem Christdemokraten Eduardo Frei ab, der das Amt bereits von 1994 bis 2000 innehatte.

Die Wahllokale sollten bis 16.00 Uhr (20.00 Uhr MEZ) geöffnet bleiben. Teilergebnisse wurden für 23.00 Uhr MEZ erwartet, das Endergebnis für Montagfrüh 04.00 Uhr MEZ. Der Wahlkampf war von einer Aufholjagd Freis gekennzeichnet, der im ersten Durchgang am 13. Dezember nur auf 29 Prozent kam, wohingegen Piñera 44 Prozent erhielt. Allerdings stellten sich sowohl der damals Drittplatzierte Marco Enríquez Ominami (20 Prozent) als auch die Amtsinhaberin auf die Seite Freis. In den letzten Umfragen schloss er mit 49,1 Prozent fast zu Piñera (50,9 Prozent) auf.

Piñera kritisierte am Wochenende, die Mitte-Links-Koalition Concertación habe „Amtsmissbrauch“ betrieben, indem sie mit öffentlichen Mitteln für einen Wahlsieg Freis geworben habe. Insbesondere missfiel dem Kandidaten der Partei der Nationalen Erneuerung (RN), dass Bachelet gesagt hatte, sie werde für Frei stimmen, weil dieser „aufrichtig“ sei.

Die Wahlprogramme der beiden Kandidaten wiesen keine markanten Unterschiede auf, beide vertreten das Konzept der sozialen Marktwirtschaft. Allerdings besteht in Chile weiterhin ein starker Riss zwischen der traditionellen Rechten, die in Teilen an die 1990 überwundene Diktatur von General Augusto Pinoche anknüpft, und der Linken, die Pinochet unter großen persönlichen Opfern bekämpfte.

Der 60-jährige Piñera und der 67-jährige Frei entstammen beide der Führungselite des Landes. Piñeras Vater war Botschafter, sein Bruder war Minister. Frei war nicht nur selbst schon im Präsidentenamt, sondern ist zugleich Sohn von Eduardo Frei Montalva, der von 1964 bis 1970 seinerseits das höchste Staatsamt innehatte.

Piñera ist einer der Hauptaktionäre der Fluggesellschaft LAN, zu deren Töchtern ein privater TV-Sender und ein Fußballclub zählen. Von seinen Gegnern wird Piñera in Anspielung auf den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als „chilenischer Berlusconi“ bezeichnet.

Sollte Piñera als Sieger aus der Stichwahl hervorgehen, wäre dies der erste Wahlsieg der Rechten seit dem Ende der Pinochet-Diktatur. Der Drittplatzierte Ominami hatte erklärt, es bestehe die Möglichkeit, dass die Rechte Chile in seiner Entwicklung bremse, und er wolle „mit aller Kraft dazu beizutragen, dass das nicht passiert“.

Die wirtschaftliche Entwicklung Chiles war in den vergangenen Jahren solide, bei einem jährlichen Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent bis zum Beginn der Weltfinanzkrise. Chile ist weltgrößter Kupferproduzent und erzielt damit jährlich Milliardenerlöse.

afp

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