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Deutschland / Welt „Spiegel“: Berlin drängte auf milden NATO-Bericht zu Luftangriff
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Spiegel“: Berlin drängte auf milden NATO-Bericht zu Luftangriff
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13:01 01.11.2009
Bei dem Luftangriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan sollen zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen sein. Quelle: afp (Archiv)
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Trotz Fehler des deutschen Oberst Georg Klein habe Berlin sich gegen eine deutliche Verurteilung gewandt, berichtet das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe. Das Verteidigungsministerium in Berlin wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Laut „Spiegel“ machten sich Vertreter der Bundesregierung bei der NATO für eine zurückhaltende Beurteilung Kleins in dem Untersuchungsbericht zur Bombardierung der Tanklaster in Kundus stark. Sie gaben dem NATO-Oberkommandierenden in Europa, Admiral James G. Stavridis, demnach Mitte Oktober bei seinem Besuch in Berlin zu verstehen, dass eine deutliche Verurteilung von Klein in Deutschland zu juristischen Problemen führen könnte. Klein hatte am 4. September den Einsatz befohlen, bei dem neben Taliban-Kämpfern auch Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen.

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Laut NATO-Untersuchungsbericht habe Klein sich nicht an das sogenannte Standard-Einsatzverfahren gehalten, schrieb der „Spiegel“. So habe er die Luftunterstützung mit der Begründung angefordert, seine Truppen hätten „Feindberührung“, obwohl sich keine ISAF-Soldaten in der Nähe der Tanker aufhielten. Klein habe es zudem abgelehnt, die Jagdbomber zur Abschreckung zunächst nur im Tiefflug über die Tanker fliegen zu lassen. Der Bericht weist laut „Spiegel“ zur Entlastung von Klein aber auch auf die militärisch angespannte Lage in Kundus vor der Bombardierung hin.

Das Bundesverteidigungsministerium erklärte, Gespräche wie das mit Stavridis seien vertraulich. Da der NATO-Bericht derzeit ausgewertet werde, verbiete sich auch dazu eine weitere Stellungnahme, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, hatte am Donnerstag gesagt, er sehe die deutschen Soldaten durch den NATO-Bericht entlastet. Auf Grundlage des vorliegenden Untersuchungsergebnisses habe er „keinen Grund daran zu zweifeln“, dass die deutschen Soldaten „angesichts der schwierigen Lage in operativer Hinsicht militärisch angemessen gehandelt haben“.

Den Angaben Schneiderhans zufolge legt der NATO-Bericht zudem dar, dass die Zahl der bei dem Angriff Getöteten nicht mehr ermittelbar sei. Die Untersuchung gebe nur verschiedene Quellen wieder, denen zufolge die Zahl der Toten zwischen 17 und 142 liegt. Zudem gebe es keine Bestätigung dafür, dass durch den Angriff „unbeteiligte Personen“ ums Leben gekommen seien.

afp

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