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Deutschland / Welt Wahlprogramme sind sprachlich zu kompliziert
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Wahlprogramme sind sprachlich zu kompliziert
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16:49 25.08.2013
Die Wahlprogramme der Parteien sind in weiten Teilen unverständlich. Quelle: dpa (Symbolbild)
Berlin

Die Wahlprogramme der Parteien sind nach Einschätzung von Sprachforschern in weiten Teilen unverständlich. Dazu trügen lange und verschachtelte Sätze, Fremdwörter, Fachbegriffe und Anglizismen bei, schreibt die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf eine Studie des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim. „Kein einziges Programm ist richtig verständlich“, zitiert die Zeitung den Institutsleiter Frank Brettschneider. Allerdings haben die Parteien neben den Originaltexten auch Versionen in „leichter Sprache“ parat.

Im Vergleich zu den Programmen zur Wahl 2009 habe die Verständlichkeit bei der FDP, den Grünen und vor allem der SPD abgenommen, sagen die Sprachforscher mit Blick auf die Originale. Nur den Linken und der Union attestierten die Forscher leichte Verbesserungen. „Insgesamt hat sich die Verständlichkeit der Programme seit 2009 verschlechtert“, so Brettschneider.

Laut der Studie, deren Skala von 0 (sehr unverständlich) bis 20 (sehr verständlich) geht, kommen CDU/CSU mit einem Indexwert von 9,9 auf das beste Ergebnis. Die Grünen liegen mit einem Wert von 8,4 auf dem zweiten Platz. Dahinter folgen die Linkspartei (7,7) sowie SPD und FDP mit je 7,3. Schlusslicht sind die Piraten mit einem Indexwert von 5,8 - einen derart schlechten Wert habe seit 1994 kein Parteiprogramm mehr erhalten, heißt es in der Studie. Selbst eine durchschnittliche politikwissenschaftliche Doktorarbeit (Indexwert:
4,3) sei nicht viel unverständlicher.

Als Beispiele für Wortungetüme nennt die Zeitung in einer eigenen Auswertung die Begriffe „Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung“ oder „Infrastrukturungleichgewichte“ (beide Union) sowie „Hochspannungsgleichstromübertrag“ und „Komplementärkapazitäten“ (SPD). Bei der FDP fielen die Wörter „Vernachrichtendienstlichung“ und „Eingriffsausgleichsregelung“ auf, bei den Linken „Aufstandsbekämpfungsstrategien“ und bei den Piraten „Datenverarbeitungseinwilligungsklauseln“ oder auch „Privacy-by-Design“. Verbreitet seien englischsprachige Beimengungen wie „One-click-Lizenzierung“ (Grüne) oder „German Mittelstand“ (Union).

Mittlerweile haben etwa CDU/CSU, SPD, Grüne und Piraten ihre Wahlprogramme für die Bundestagswahl am 22. September in eine einfache Sprache übersetzen lassen. Die Union erklärt beispielsweise ihre Haltung zum Thema Mindestlohn mit den Worten: „Wir wollen einen Mindestlohn. Das heißt: Für eine bestimmte Arbeit muss man mindestens einen bestimmten Lohn bekommen. Der Mindestlohn muss festgelegt werden. In einem Vertrag. Das nennt man Tarifvertrag. Oder in Regeln. Damit man sich darauf verlassen kann.“ Bei der SPD heißt es unter dem Stichwort Mindestlohn im „Einfache-Sprache“-Text: „Alle sollen mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen. Mit weniger kommen die Menschen nicht aus. Wer arbeitet, muss genug Geld für Essen, Miete und Strom haben.“

dpa

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