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Deutschland / Welt Stimmung zwischen Iran und Großbritannien auf dem Tiefpunkt
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18:22 29.11.2011
 Neuer Tiefpunkt um Verhältnis zwischen London und Teheran: Hunderte Studenten stürmen die britische Botschaft in Teheran. Quelle: dpa
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Teheran

Aus Protest gegen Sanktionen und den Tod eines Atomwissenschaftlers haben iranische Studenten am Dienstag die britische Botschaft in Teheran gestürmt. Auf Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie sie Brandsätze warfen und Scheiben zerstörten. Sicherheitskräfte hätten sechs Mitarbeiter der Botschaft aus den Händen von rund 200 Studenten befreit, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars.

Zuvor hatten die „sehr motivierten und überzeugten“ Demonstranten nach Angaben von Fars die britische Flagge verbrannt und Bilder der britischen Königin Elisabeth II. von den Wänden gerissen. Die Studenten hätten dann die iranische Flagge als Zeichen des Sieges gehisst und das Botschaftsgelände zum iranischen Staatseigentum erklärt.

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Durch die Erstürmung des britischen Geländes im Stadtteil Golhak wurde nach Aussage der Bundesregierung offenbar auch die deutsche Schule in Teheran in Mitleidenschaft gezogen. „Wir werden diesen Vorgang umgehend mit der iranischen Regierung aufnehmen“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Er fügte hinzu: „Iran ist völkerrechtlich zum Schutz von ausländischen Diplomaten und ausländischen Missionen verpflichtet und muss dieser Schutzpflicht ohne Wenn und Aber nachkommen.“

Das britische Außenministerium bezeichnete die Erstürmung als völlig inakzeptabel. „Wir sind entsetzt“, hieß es in einer Erklärung. Auch Frankreich ging mit den iranischen Behörden hart ins Gericht. „Einmal mehr hat das iranische Regime den Beweis für die geringe Wertschätzung geliefert, die sie für internationales Recht hat“, erklärte Außenminister Alain Juppé in Paris.

Das iranische Außenministerium bedauerte später das inakzeptable Verhalten einiger Demonstranten. Polizei und Sondereinsatzkräfte hätten versucht, dies zu verhindern. Der Vorfall werde untersucht.

Die Erstürmung der Botschaft ist nach Angaben von Fars auch eine Reaktion auf den Tod eines Atomwissenschaftlers. Demnach sollen israelische und britische Geheimdienstmitarbeiter den Iraner Majid Shahriari vor einem Jahr getötet haben. Die Führung in Teheran hatte zuletzt die Internationale Atomenergiebehörde in Wien beschuldigt, sie habe durch die Veröffentlichung der Namen von iranischen Atomwissenschaftlern diese zu Zielscheiben der Geheimdienste gemacht.

Trotz der Anwesenheit zahlreicher Polizisten und Spezialkräfte kletterten etwa 200 Demonstranten über die Botschaftsmauer, wie Fars berichtete. Tausende Studenten hatten sich vor der Botschaft versammelt und die Ausweisung des britischen Botschafters verlangt. Sie riefen „Tod England“ und „Geh weg, England“. Am Abend verließen die Demonstranten die Botschaft, nachdem die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hatten.

Gesetzentwurf sorgt für Verstimmung

Am Sonntag hatte das iranische Parlament über einen Gesetzentwurf entschieden, wonach der britische Botschafter aus Iran abgezogen und die diplomatischen Beziehungen zu London eingeschränkt werden sollen. Auslöser war eine Entscheidung der britischen Regierung, im Atomstreit mit dem Iran die Sanktionen zu verschärfen.

Der Schritt ist eine Reaktion auf die Sanktionen, die Großbritannien mit den USA und Kanada gegen Iran verhängt haben. Die internationale Atomenergiebehörde hatte einen alarmierenden Bericht veröffentlicht, wonach der Iran zumindest bis 2010 an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet haben soll.

Der iranischen Zentralbank wird Geldwäsche vorgeworfen. Großbritannien brach sämtliche Verbindungen zu iranischen Banken ab. Die Regierung Teherans hatte die Sanktionen scharf kritisiert.

Die Spannungen zwischen dem Iran und Großbritannien halten seit Jahren an. Zuletzt habe es einen Streit über die Eigentumsrechte an dem Gartengelände der britischen Botschaft gegeben, berichtete Fars. Die Stadtverwaltung habe am Sonntag der britischen Botschaft einen Strafbescheid geschickt, weil sie Bäume gefällt habe.

Im November 2009 hielt die iranische Marine fünf britische Segler fest. Im März 2007 nahm der Iran 15 britische Matrosen gefangen, die in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen sein sollen. 2004 hatte Iran im Schatt el Arab, dem Mündungsfluss von Euphrat und Tigris, drei britische Patrouillenboote aufgebracht.

frx/dpa