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Deutschland / Welt Streit um Genehmigung der Loveparade-Gedenkfeier
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18:09 05.09.2011
700 Angehörige, auch aus dem Ausland, waren am 24. Juli 2011 trotz strömenden Regens und Kälte ins Duisburger MSV-Stadion zu einer bewegenden Gedenkfeier gekommen. Quelle: dpa
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Duisburg

„Das ist ein erbärmliches Nachtreten der Stadtspitze“, schimpft Theo Steegmann über die Querelen zur Loveparade-Trauerfeier. „Das kann man eigentlich nur als Posse auffassen“, schiebt der Mitorganisator der Initiative „Neuanfang für Duisburg“ nach. Vor allem, weil niemand die Verantwortung für das Geschehen übernehmen will. Nicht Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), nicht Veranstalter Rainer Schaller, auch nicht die Polizei.

Vor allem das Stadtoberhaupt steht im Mittelpunkt der Kritik. Ihn wollten die Angehörigen auch nicht bei der Trauerfeier dabei haben. Sie empfinden das Wegschieben von Verantwortung als Belastung. Schaller hatte sich viele Monate nach der Katastrophe wenigstens durchgerungen, mit Opfer-Familien zu sprechen. Entschuldigungen oder Anteilnahme sind ansonsten Mangelware.

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„Wir warten auf eine Geste des Respekts vor unseren Kindern“, sagte Nadia Zanacchi, Mutter von Giulia, die wie 21 andere junge Menschen Opfer des furchtbaren Gedränges bei der Loveparade wurde. „Wir spüren Wut. Es ist eine Tragödie, die mit Sicherheit vermeidbar gewesen wäre“, sagte die Mutter mit Tränen in der Stimme.

Dass die Stadt Duisburg nun der NRW-Staatskanzlei, die an der Planung der Trauerfeier beteiligt war, Vorwürfe macht, kommt nicht gut an. „Wir wollten in keinem Fall eine Diskussion auslösen, die den Opfern und Angehörigen schadet. Aber Kritik muss möglich sein“, sagte Duisburgs Stadtdirektor Peter Greulich am Montag bei einer Pressekonferenz im Rathaus.

In einem Brief hat Greulich der Regierung lauter Vorhaltungen gemacht. So sei eine Bühne für die Veranstaltung in der MSV-Arena ein „nicht genehmigter Schwarzbau“ gewesen. Der Leiter der Trauerfeier, Arno Eich, wies die Vorwürfe zurück. Er habe die Bühne lediglich um etwa 80 Meter verlegt, weil Starkregen und Böen bis Windstärke zehn angekündigt waren, sagte Eich der dpa. „Bauordnungsrechtlich ist es aber nicht egal, wo die Bühne steht“, machte Anja Geer, Leiterin der Bauaufsicht, deutlich.

700 Angehörige, auch aus dem Ausland, waren am 24. Juli 2011 trotz strömenden Regens und Kälte ins Duisburger MSV-Stadion zu einer bewegenden Gedenkfeier gekommen. „Da war endlich was Gutes, das jetzt durch die neuen Schuldzuweisungen wieder ein Geschmäckle bekommt“, sagt Jürgen Hagemann vom Selbsthilfe-Verein „Massenpanik e.V.“.

dpa