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Deutschland / Welt Suche nach vermissten Deutschen in Afghanistan dauert an
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Suche nach vermissten Deutschen in Afghanistan dauert an
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15:22 24.08.2011
Bundeswehr-Hubschrauber sollen bei der Suche nach den Vermissten helfen. Quelle: dpa
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Kabul

Die Suche nach zwei in Afghanistan möglicherweise entführten Deutschen dauert an. Bislang gebe es keine Hinweise, sagte die Sprecherin der Provinzregierung Parwans, Roschana Chalid, am Mittwochmittag (Ortszeit). „Ich kann Ihnen nicht sagen, ob es sich um einen Entführungsfall handelt und wer sie entführt haben könnte. Wir wissen es noch nicht.“ Die Polizei suche neben den beiden Männern auch nach möglichen Verstecke, wo sie festgehalten werden könnten.

Die beiden Deutschen, bei denen es sich um Entwicklungshelfer aus Kabul handeln soll, werden seit vergangenem Freitag vermisst. Nach Angaben der afghanischen Behörden waren sie in der Bergregion in der Provinz Parwan wandern. Außenminister Guido Westerwelle hatte am Dienstag nicht ausgeschlossen, dass sie entführt wurden. Allerdings bekannten sich zunächst weder die Taliban noch eine andere Gruppe zu einer solchen Geiselnahme.

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Verwirrung gab es unterdessen um eine möglichen Unterstützung der afghanischen Suchmannschaften durch Bundeswehr-Hubschrauber. Parwans Polizeichef General Scher Ahmad Maladani sagte am Mittwoch: „Wir erwarten, dass sich deutsche Hubschrauber heute der Suchmannschaft anschließen und über die Berge fliegen.“ Sprecherin Chalid sagte einige Stunden später: „Die deutschen Hubschrauber sollten über der Gegend patrouillieren, tun das aber noch nicht.“ Die Bundeswehr wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

Die Bundeswehr verfügt in Afghanistan nur über sechs Helikopter vom Typ CH-53, die im Norden des Landes stationiert sind. Wegen des Mangels an eigenen Hubschraubern muss die Truppe beispielsweise bei medizinischen Notfällen immer wieder auf US-Helikopter ausweichen. Um nach Parwan zu gelangen, müssten die deutschen CH-53 über den Hindukusch fliegen, was nur bei gutem Wetter möglich ist. In den kommenden Tagen ist kein gutes Flugwetter vorhergesagt.

Allerdings verfügt die Internationale Schutztruppe Isaf in der Hauptstadt Kabul, die in der Nähe von Parwan liegt, über zahlreiche Helikopter anderer Truppensteller. Eine Unterstützung der Suche durch die Isaf müsste die Bundesregierung anfordern. Chalid sagte, am Dienstag sei eine Delegation der deutschen Botschaft in Parwan gewesen. Sie habe den Ort in Augenschein genommen, wo die Bundesbürger am vergangenen Freitag zuletzt gesehen worden seien. Lokale Nomadenstämme unterstützten die Suche weiterhin.

Nach dpa-Informationen ist einer der Männer für die staatliche deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kabul tätig. Die GIZ bestätigte das zunächst nicht. Der zweite Bundesbürger soll für eine nicht-staatliche Organisation arbeiten, die sich schon lange in Afghanistan engagiert.

Die Provinz Parwan gilt für afghanische Maßstäbe als relativ ruhig. Am vorvergangenen Sonntag griffen Aufständische allerdings den Sitz des Gouverneurs an, sie töteten 19 Menschen.

Vor vier Jahren hatte die Entführung von zwei deutschen Bauingenieuren wochenlang Schlagzeilen gemacht. Sie waren im Juli 2007 verschleppt worden. Die Kidnapper erschossen eine der beiden Geiseln. Der zweite Ingenieur kam nach 85 Tagen Geiselhaft frei.

dpa