Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Syriens Regime zeigt Auflösungserscheinungen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Syriens Regime zeigt Auflösungserscheinungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:31 01.09.2011
Die Berichte über Folter und Exekutionen, die aus Syrien an die Öffentlichkeit dringen, werden von Monat zu Monat schrecklicher. Quelle: dpa
Anzeige
Damaskus/Istanbul

Das syrische Regime zeigt nach Monaten blutiger Gewalt gegen Demonstranten erste Auflösungserscheinungen. Der Generalstaatsanwalt der Provinz Hama trat angeblich aus Protest gegen Gräueltaten zurück. Die Protestbewegung meldete am Donnerstag auch heftige Kämpfe zwischen desertierten Soldaten und Angehörigen einer Regierungsmiliz in der Stadt Dair as-Saur nahe der irakischen Grenze. Mehrere Mitglieder der sogenannten Schabiha-Miliz seien verwundet worden, hieß es. In der Stadt Aleppo trugen Regimegegner nach eigenen Angaben einen Soldaten zu Grabe. Dieser sei bei dem Versuch zu desertieren erschossen worden.

Im Internet veröffentlichten die Regimegegner eine Videoaufnahme, in der Adnan al-Bakkur, der Generalstaatsanwalt der Provinz Hama, aus Protest gegen Gräueltaten der Sicherheitskräfte seinen Rücktritt erklärt. Al-Bakkur sagt, am 31. Juli seien im Zentralgefängnis von Hama 72 Aktivisten exekutiert worden. Dutzende Menschen seien bei Militäroperationen in der Stadt getötet oder zu Tode gefoltert worden.

Anzeige

In einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Sana hieß es dazu, Al-Bakkur sei am vergangenen Montag von Terroristen entführt worden. Diese hätten ihn unter Androhung von Gewalt gezwungen, Lügen über die Praktiken der Sicherheitskräfte zu verbreiten.

In der Nacht zum Donnerstag meldete die Protestbewegung erneut Razzien in der Stadt Hama, die zu den Hochburgen des Aufstandes gegen Präsident Baschar al-Assad gehört. Seit Mittwoch seien landesweit sechs Zivilisten getötet worden, hieß es. Unter den Toten soll ein zehn Jahre altes Mädchen sein, das in Dair as-Saur in einem Taxi erschossen wurde.

Wie viele Menschen seit Beginn des Aufstandes Mitte März getötet wurden, kann bislang niemand genau sagen. Menschenrechtler gehen jedoch von mehr als 2200 Toten aus. Hunderte von Menschen werden von ihren Angehörigen vermisst. Es wird befürchtet, dass etliche von ihnen getötet und in Massengräbern verscharrt wurden.

Ähnlich wie in anderen arabischen Staaten hatten die Proteste auch in Syrien mit einem Ruf nach demokratischen Reformen begonnen. Als die Sicherheitskräfte begannen, auf Demonstranten zu feuern, eskalierte der Konflikt.

dpa