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Deutschland / Welt Terroristen-Prozess gegen Verena Becker beginnt
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19:07 27.09.2010
Der Tatort mit den zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (vorne links) und seines Fahrers.
Der Tatort mit den zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (vorne links) und seines Fahrers. Quelle: dpa
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Kurz vor dem Prozess um die Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback geht das Verwirrspiel um die unmittelbaren Täter des Anschlags weiter. Am Montag meldete „Spiegel Online“, dass zwei ehemalige RAF-Mitglieder Stefan Wisniewski als Todesschützen genannt hätten. Nur wenige Stunden später lässt die Ex-Terroristin Silke Maier-Witt ihre angebliche Behauptung dementieren. Unterdessen bestätigt sich die Vermutung, dass Verena Becker begnadigt wurde, weil sie mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet hatte.

Der Reihe nach: Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft waren drei RAF-Mitglieder unmittelbar am Anschlag auf Buback am 7. April 1977 beteiligt - und zwar Knut Folkerts, Christian Klar und Günter Sonnenberg. Folkerts und Klar wurden verurteilt. Sie sollen entweder das Fluchtauto gefahren oder auf dem Motorrad gesessen haben. Das Verfahren gegen Sonnenberg wurde eingestellt - er hatte bei seiner Verhaftung eine Kugel in den Kopf bekommen und galt wegen der Spätfolgen als verhandlungsunfähig.

Zur Erinnerung: Zwei Mitglieder des Mordkommandos hatten Bubacks Wagen auf einem Motorrad aufgelauert. Der Soziusfahrer feuerte mit einem Selbstladegewehr in den Mercedes. Ein drittes Kommandomitglied holte die beiden mit einem Fluchtauto ab.

Version 2: Auf dem Soziussitz des Motorrads saß als Schütze nicht Folkerts, sondern Stefan Wisniewski. So hatte es Verena Becker bereits 1981 in geheimen Vernehmungen dem Verfassungsschutz erzählt. Auch Ex-RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock hat seit 2007 wiederholt gesagt, dass Wisniewski geschossen habe. Dies hat Boock nun im Interview mit „Spiegel TV“ wiederholt. Neu ist, dass am Montag auch Silke Maier-Witt von „Spiegel Online“ mit der Aussage zitiert wurde, Wisniewski habe geschossen. Das jedoch ließ sie umgehend über die Tageszeitung „Die Welt“ widerrufen. Gegen Wisniewski wird weiter ermittelt.

Version 3: Auf dem Motorrad-Rücksitz saßen weder Folkerts noch Wisniewski, sondern dort saß Verena Becker selbst. Das glaubt der Sohn des Ermordeten, Michael Buback. Er meint, dass Becker geschützt wurde, weil sie bereits vor dem Mordanschlag mit Geheimdiensten kooperiert habe.

Nach dpa-Informationen hat Becker im Jahr 1981 tatsächlich umfangreiche Aussagen gegenüber dem Bundesamt für Verfassungsschutz gemacht und damit ihre spätere Begnadigung erreicht. „Es ging ihr gesundheitlich nicht gut, und sie wollte bessere Haftbedingungen“, sagte eine Quelle aus Sicherheitskreisen der dpa. „Sie war sich bewusst, dass sie Sachen preisgeben musste, um früher aus der Haft zu kommen.“

Jedoch habe es vor 1977 keine Zusammenarbeit Beckers mit Geheimdiensten gegeben. So steht es auch in zwei Behördenzeugnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz. Das widerspricht der These, dass Becker aufgrund einer Zusammenarbeit mit Geheimdiensten von Anfang an geschützt worden sei. „Während der aktiven Zeit vor der Inhaftierung gab es Null Zusammenarbeit und keine Kontakte“, so die dpa-Quelle.

Becker sei in den Gesprächen nicht sehr kooperativ gewesen, berichtet die Quelle: „Teilweise hat sie sich mit den Ermittlern angeschrien.“ Auch habe Becker nicht, wie erhofft, Informationen über geplante Anschläge geliefert. Dennoch: 1989 begnadigte der damalige Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker Becker. „Die Kooperation hat den Ausschlag für die Begnadigung gegeben.“

Schließlich: Der „Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von Verfassungsschutzvermerken, wonach Becker zur Zeit des Anschlags im Irak war. Dies könnte gegen die These der Anklage sprechen, wonach sie bei der Planung und Organisation eine wesentliche Rolle spielte. Die Information in den Vermerken stammt allerdings nach dpa- Informationen von Becker selbst. „Ihre Aussage ist durch nichts belegt“, so die Quelle aus Sicherheitskreisen.

Wo war Verena Becker wirklich? Und wer saß auf dem Motorrad? Am Donnerstag beginnt in Stuttgart-Stammheim der Prozess.

dpa

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