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Deutschland / Welt Terroristen stürzen Irak ins Chaos
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Terroristen stürzen Irak ins Chaos
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16:53 11.06.2014
Die irakische Extremistengruppe Isis rückt in Richtung Bagdad vor. Hundertausende Menschen fliehen. Quelle: dpa
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Bagdad

Mit ihrem Vormarsch Richtung Bagdad hat die Terrorgruppe Isis den Irak in die schwerste innenpolitische Krise seit dem Abzug der US-Truppen Ende 2011 gestürzt. Allein in der nordirakischen Millionenmetropole Mossul, die von Isis-Kämpfern gestürmt wurde, flohen rund 500 000 Menschen vor den Extremisten. Sie hätten ihre Wohnhäuser aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen verlassen, berichtete die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Mittwoch in Genf. Durch Kämpfe habe es unter der Zivilbevölkerung „eine hohe Zahl von Opfern“ gegeben. Das Vorgehen der Islamisten löste international Entsetzen und Besorgnis aus.

Die Isis, eine der radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten, kämpft für einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat. Laut Human Rights Watch (HRW) erbeuteten die Kämpfer auf ihrem Feldzug große Waffenarsenale der irakischen Armee. Die Waffen könne Isis nun in das Bürgerkriegsland Syrien einschleusen - und den Konflikt dort noch verschärfen, warnte Peter Bouckaert von HRW.

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Auf ihrem Vormarsch nach Bagdad brachten die Kämpfer der Isis bis Mittwoch große Teile der Regionen Ninive, Anbar und Salah ad-Din nordöstlich von Bagdad unter ihre Kontrolle, berichtete der Nachrichtensender Al-Dschasira. Auch in Tikrit, rund 175 Kilometer nördlich von Bagdad, sollen sich am Nachmittag Isis-Kämpfer Gefechte mit den Streitkräften geliefert haben. Nach anderen Angaben nahmen die Islamisten die Stadt kampflos ein.

Als strategisch wichtigen Ort eroberten die Extremisten unter anderem Baidschi rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad, wie Medien berichteten. Dort wollten sie die Ölraffinerie und das Elektrizitätswerk unter ihre Kontrolle bringen, das auch die Hauptstadt mit Strom versorgt.

Die Aufständischen „sind über Nacht aufmarschiert und haben das Gerichtsgebäude sowie eine Polizeiwache im Stadtzentrum in Brand gesteckt“, berichtete ein Sicherheitsmann in Baidschi dem unabhängigen Nachrichtenportal „Al-Sumaria News“. Das offizielle irakische Staatsfernsehen meldete dagegen, die Stadt unter Kontrolle zu haben. Gesicherte Angaben gab es zunächst nicht.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki nannte Berichte über Eroberungen durch die Isis „Verschwörungen und Falschmeldungen“. Die Armee habe die Region stabilisiert. In einem im Internet kursierenden Propagandamagazin verbreitete die Isis hingegen Bilder von exekutierten irakischen Soldaten. „Al-Malikis tyrannische Stärke ist unserer Frömmigkeit nicht gewachsen“, steht in dem Magazin.

Der einflussreiche Schiitenprediger Muktada al-Sadr rief seine Anhänger dazu auf, „Friedensbrigaden“ im Land zu bilden, um Schreine, Moscheen und Kirchen in Abstimmung mit der irakischen Regierung gegen die Isis-Kämpfer zu verteidigen. Die irakische Führung selbst erklärte, ihre Militärkräfte mit denen der kurdischen Regionalregierung im Nordirak verbinden zu wollen.

Bereits am Dienstag hatte Isis mit Mossul die zweitgrößte Stadt des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Nach türkischen Medienberichten stürmten die Kämpfer dort das türkische Konsulat und nahmen bis zu 45 Mitarbeiter, darunter auch Diplomaten, als Geiseln. Die Islamisten befreiten rund 2400 Häftlinge aus Gefängnissen und besetzten Regierungsgebäude und zwei TV-Stationen, wie Al-Dschasira meldete.

Am Donnerstag soll das irakische Parlament über die Forderung von Ministerpräsident al-Maliki beraten, den Notstand zu verhängen. Damit hätte der umstrittene schiitische Regierungschef mehr Befugnisse, um in den Konflikt mit den sunnitischen Aufständischen einzugreifen. Viele Sunniten fühlen sich benachteiligt durch die schiitisch dominierte Regierung. Nach dem Abzug der Amerikaner im Dezember 2011 hatte eine Welle der Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten den Irak erschüttert. Die Terrorgruppe Isis macht sich diesen Machtkampf zunutze.

US-Außenamtssprecherin Jen Psaki appellierte an die irakischen Politiker, als Einheit gegen die „regionale Gefahr“ Isis vorzugehen. Es müsse mehr für die Sicherheit des irakischen Volkes getan werden. „Und wenn ich sage, dass die Politiker vor Ort mehr leisten können, dann schließt das natürlich auch Al-Maliki mit ein“, sagte Psaki.

Die Bundesregierung sieht die Entwicklung im Irak mit „allergrößter Sorge“. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, appellierte an die verschiedenen politischen Lager, ihren Machtkampf zu beenden. Bundesbürger sind nach Angaben der Bundesregierung nicht von den Kämpfen betroffen.

dpa