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Deutschland / Welt Todesschütze hält sich für unschuldig
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18:43 24.04.2012
Von Stefan Koch
George Zimmerman vor Gericht.
George Zimmerman vor Gericht. Quelle: dpa
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Washington

Auch bei der Verlesung der Anklageschrift, die in zwei Wochen stattfinden soll, will der Täter nicht vor Gericht erscheinen.

Der 28-jährige Angehörige einer freiwilligen Bürgerwehr hatte Ende Februar Martin in einer geschlossenen Wohnanlage erschossen und wurde von der Polizei nicht in Gewahrsam genommen. Zimmerman hatte nach der Tat auf das Selbstverteidigungsrecht gepocht, das im US-Bundesstaat Florida besonders weitgehend ist. Erst nach einer landesweiten Protestwelle schritt die Staatsanwaltschaft ein und erhob Anklage wegen Totschlag. Zuvor hatten Martins Eltern wochenlang demonstriert und sich hilfesuchend an verschiedene Medien gewandt. Sogar US-Präsident Barack Obama äußerte sich schließlich zu dem tragischen Vorfall und mahnte seine Landsleute an, sich einer "Gewissensprüfung" zu unterziehen.

Angesichts des seltsamen Verhaltens der Polizei werfen vor allem schwarze Bürgerrechtler den Beamten unterschwelligen Rassismus vor. "Wenn das Opfer ein Weißer gewesen wäre, hätten die Beamten sicherlich sofort ernsthaft ermittelt", sagt Michaela Angela Davis, eine afroamerikanische Schriftstellerin aus New York, die die Demonstrationen mit organisiert.

Dagegen befürchtet Zimmermans Anwalt Mark O'Mara eine Hetzjagd auf seinen Mandanten: "George hat mehrere Morddrohungen erhalten. Aus Angst vor einem Anschlag wechselt er ständig die Unterkünfte." Vor Journalisten schilderte der Jurist gestern seine Sicht der Dinge: Zunächst habe Martin Zimmerman angegriffen. Sein Mandant habe nur aus Notwehr geschossen. Allerdings habe er sich jetzt bei den Eltern des Opfers entschuldigt.

In der "New York Times" warnen unterdessen mehrere Prozessbeobachter vor leichtfertigen Rassismusvorwürfen. Zum einen besitze der Täter lateinamerikanische Wurzeln. Zum anderen müsse die spezielle Gesetzgebung in Florida stärker beachtet werden: Nach dem Grundsatz "stand your ground", "weiche nicht zurück", hätten die Bürger in dem Bundesstaat das Recht zum Schusswaffengebrauch, wenn sie sich bedroht fühlen. Dass das Selbstverteidigungsrecht so weitgehend interpretiert werde und Waffen ganz unkompliziert erworben werden können, sei die eigentliche Gefahr.

Ein ungewöhnliches Zeichen setzte am Montagabend (Ortszeit) der Stadtrat von Sanford: Die Kommunalpolitiker lehnten das Rücktrittsgesuch des Polizeichefs Bill Lee ab. Zurzeit läuft eine Untersuchung, ob Lee dafür verantwortlich ist, dass der Todesschütze nach der Tat nicht verhaftet wurde.

24.04.2012