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Deutschland / Welt Tote bei Protesten gegen Koranverbrennung
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13:22 23.02.2012
Tausende Afghanen sind gegen die versehentliche Koranverbrennung durch US-Soldaten auf die Straße gegangen. Quelle: dpa
Kabul

Die Regierung der nördlich von Kabul gelegenen Provinz Parwan teilte mit, im Distrikt Schinwari seien sechs Menschen getötet und 13 verletzt worden. Aus Sicherheitskreisen im ostafghanischen Dschalalabad hieß es, bei Zusammenstößen in der Hauptstadt der Provinz Nangarhar sei ein Demonstrant ums Leben gekommen. In Parwan hätten die Demonstranten versucht, die Distriktverwaltung zu stürmen, und auf Polizisten geschossen. Die Polizei sei gegen den Mob vorgegangen. Bei Protesten in Dschalalabad und in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden nach offiziellen Angaben insgesamt mindestens 17 Menschen verletzt.

Tausende Afghanen sind gegen die versehentliche Koranverbrennung durch US-Soldaten auf die Straße gegangen. Die amerikanische Botschaft, die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen stoppen alle Bewegungen ihrer Mitarbeiter in Kabul bis auf weiteres. Kabuls Polizeisprecher Haschmat Staniksai sagte, bei Protesten an verschiedenen Orten in der Hauptstadt seien Geschäfte angegriffen und Fahrzeuge zerstört worden. Die Polizei sei verstärkt worden, um die Demonstranten davon abzuhalten, in die Innenstadt vorzudringen.

Vor einem Wohnkomplex von Ausländern in Kabul skandierten Hunderte Demonstranten „Tod für Amerika“ und - an die Adresse von Präsident Hamid Karsai - „Stirb, Karsai“. Augenzeugen berichteten, mit Eisenstangen und Steinschleudern bewaffnete Aufrührer hätten die Polizei mit Steinen beworfen. Der Mob habe einen Lastwagen in Brand gesteckt. In Dschalalabad zündeten Demonstranten nach Angaben der Provinzregierung sechs Tanklastwagen an. Bereits am Dienstag war es zu Protesten gekommen, bei denen aber niemand getötet worden war.

Die Internationale Schutztruppe Isaf bestätigte, dass Soldaten in der US-Basis Bagram Ausgaben des Korans zur Entsorgung versehentlich zu einer Verbrennungsanlage gebracht hätten. In einer Direktive verpflichtete Isaf-Kommandeur John Allen alle Soldaten dazu, bis zum 3. März an Schulungen zum angemessenen Umgang mit religiösem Material wie dem Koran teilzunehmen. Allen und US-Verteidigungsminister Leon Panetta entschuldigten sich ausdrücklich für den Vorfall.

Muslimen gilt die Verbrennung sowie jede andere Schändung des Korans als Todsünde. Aus Militärkreisen hieß es, die religiösen Schriften, die entsorgt werden sollten, seien Insassen des umstrittenen Gefängnisses auf der US-Basis in Bagram zur Verfügung gestellt worden. Es sei vermutet worden, dass die Insassen sich über Notizen in den Schriften untereinander ausgetauscht hätten.

Die Taliban teilten mit, sie unterstützten die Proteste. Die Aufständischen riefen alle „nationalistischen afghanischen Muslime“ dazu auf, die ausländischen Truppen anzugreifen. Im vergangenen Frühjahr waren in Afghanistan bei tagelangen Protesten gegen die Koran-Verbrennung eines Predigers in Florida 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben ausländische UN- Mitarbeiter. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantanamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals in Afghanistan und Pakistan insgesamt 17 Menschen gestorben. 

dpa/st

Hinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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