Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Mursi-Anhänger bei Unruhen in Kairo getötet
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mursi-Anhänger bei Unruhen in Kairo getötet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:51 05.07.2013
Foto:  Die Eskalation in Ägypten lässt nicht nach. Nach Medieninformationen sind mindestens zwei Mursi-Anhänger getötet worden.
Die Lage in Ägypten eskaliert: Bei Krawallen sind mindestens zwei Mursi-Anhänger getötet worden. Quelle: dpa
Anzeige
Kario

Die Soldaten hätten das Feuer eröffnet, als die Demonstranten vor das Hauptquartier der Republikanischen Garden zogen, berichtete die Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, im Kurznachrichtendienst Twitter. Mehrere Menschen seien zudem verletzt worden.
Mursi soll seit seiner Absetzung am Mittwoch im Gewahrsam der Republikanischen Garde sein. Zehntausende Anhänger Mursis demonstrierten zeitgleich in Kairo und anderen Städten des Landes gegen den "Militärputsch".

Zehntausende Islamisten machen ihrer Wut über die Absetzung von Präsident Mursi Luft.

Ägyptens Islamisten machen mobil

Ägypten droht nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi eine neue Eskalation im Machtkampf zwischen Islamisten und Militär. Muslimbrüder und verbündete Parteien riefen zu einem "Freitag der Ablehnung" auf - der "Militärputsch" dürfe nicht hingenommen werden. Die Armeeführung betonte das Recht aller Bürger, sich an friedlichen Protesten zu beteiligen. "Exzesse" würden aber nicht geduldet. In den vergangenen Monaten war es nach dem Freitagsgebet immer wieder zu Straßenschlachten gekommen.

In Ägypten bleibt es unruhig. Nach den Massendemonstrationen vom Sonntag, bei denen nach neuesten Angaben mindestens 16 Menschen ums Leben kamen, haben Jugendliche Mursi-Gegner am Montag die Zentrale der Muslimbrüder in Kairo gestürmt.

Unmittelbar nach seiner Vereidigung hatte der neue Übergangspräsident Adli Mansur am Donnerstag angekündigt, die Islamisten an der Regierung zu beteiligen. Dies schlossen die religiösen Kräfte in einer Stellungnahme jedoch kategorisch aus. Mursi selbst bezeichnete seine Entmachtung als "klaren Militärputsch".

Die Armeeführung hatte Ägyptens ersten demokratisch gewählten Präsidenten nach tagelangen, teils blutigen Massenprotesten abgesetzt und in Gewahrsam genommen. Auch gegen die Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, ging sie scharf vor. Zahlreiche Spitzenfunktionäre wurden festgenommen. Das Militär begründete sein Einschreiten mit Mursis Unfähigkeit, die Staatskrise zu beenden.

In einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Erklärung rief der Oberste Militärrat die Ägypter auf, Ruhe zu bewahren und ihr Recht auf Demonstrationen nicht überzubeanspruchen. "Exzesse durch unnötige Beanspruchung dieses Rechts und mögliches unerwünschtes Verhalten wie Straßensperren, die Blockade öffentlicher Einrichtungen oder die Zerstörung von Eigentum" würden nicht geduldet.

Die Jubelfeiern der Mursi-Gegner im Zentrum Kairos blieben in der Nacht zum Freitag friedlich. Bei Krawallen in mehreren Provinzstädten waren zuvor aber nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens zehn Menschen getötet und fast 500 weitere verletzt worden. Die Entwicklung im bevölkerungsreichsten arabischen Land löste weltweit Sorge vor neuem Blutvergießen bis hin zu einem Bürgerkrieg aus.

Aus der Halbinsel Sinai griffen militante Islamisten in der Nacht fünf Armeekontrollpunkte mit Gewehren und Panzerfäusten an. Ein Soldat wurde getötet, drei weitere verletzt, wie ägyptische Sicherheitskreise bestätigten. Zunächst war nicht klar, ob die Attacken im Zusammenhang mit dem Sturz Mursis standen.

Der deutsch-ägyptische Autor und Politologe Hamed Abdel-Samad (41), der nach einem Vortrag über "religiösen Faschismus" mit Morddrohungen belegt worden war, nannte den Umsturz am Nil einen "Sieg der Hoffnung". Bei den angekündigten Neuwahlen sei mit einer deutlichen Niederlage der Muslimbrüder zu rechnen, schrieb er in einem Gastbeitrag der "Bild"-Zeitung.

Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff regte an, deutsche Experten nach Ägypten zu schicken, um den demokratischen Aufbauprozess zu begleiten. Der Politikwissenschaftler Christian Achrainer von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik riet, sich "möglichst neutral zu verhalten". Sonst könnte den westlichen Ländern leicht vorgeworfen werden, sie wollten nur ihre eigene Agenda durchdrücken.

dpa

Mehr zum Thema

Nach dem Putsch gegen Präsident Mursi ist es in Ägypten wieder zu blutigen Krawallen gekommen. Nach Angaben staatlicher Medien sind mindestens ein Dutzend Menschen getötet worden.

04.07.2013
Meinung Ägypten - Mursis Schuld

Die Staatskrise in Ägypten kennt nur Verlierer. Einer davon ist der gestürzte Präsident Mursi. Ein Kommentar von Martin Gehlen

06.07.2013

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat die iranische Führung öffentlich brüskiert. In einer Rede zur Eröffnung des Gipfels der Blockfreien Staaten (NAM) in Teheran sagte Mursi, die Unterstützung der Revolution in Syrien sei „eine moralische Pflicht sowie eine politische und strategische Notwendigkeit“.

30.08.2012
Deutschland / Welt Spionagevorwürfe mit Konsequenzen - EU-Kommission droht USA
05.07.2013