Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Machtkampf in Ägypten spitzt sich zu
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Machtkampf in Ägypten spitzt sich zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:35 06.07.2013
Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mursi beten in Kairo neben dem Hauptquartier der Republikanischen Garde. Quelle: dpa
Anzeige
Kairo

Offener Machtkampf am Nil: Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi liefern sich Anhänger und Gegner des Islamisten blutige Straßenschlachten mit vielen Toten und Verletzten. Bei den Massenprotesten nach den Freitagsgebeten starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 30 Menschen, davon 16 durch Schüsse. Mehr als 1100 weitere wurden am Abend oder in der Nacht zum Samstag verletzt. Der von den Islamisten ausgerufene „Freitag der Ablehnung“ endete im Chaos. Mursis Anhänger wollen so lange mobil machen, bis ihr gestürzter Präsident wieder im Amt ist.

Anzeige

Das Blutvergießen hatte am Freitagnachmittag begonnen, als Zehntausende Islamisten auf die Straße gingen, um ihrer Wut über den „Militärputsch“ Luft zu machen. Als sie vor eine Kaserne der Republikanischen Garde zogen, wo sie den abgesetzten Mursi vermuteten, eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer auf die Demonstranten. Mindestens zwei Menschen starben.

In Kairo prallten Mursi-Anhänger und Mursi-Gegner in der Nähe des Tahrir-Platzes aufeinander. An der zentral gelegenen 6. Oktober-Brücke lieferten sie sich heftige Straßenschlachten. Beide Seiten bewarfen sich mit Pflastersteinen und gingen mit Stöcken, Brandsätzen und Feuerwerkskörpern aufeinander los. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein. Zu Zusammenstößen kam es auch in Alexandria, Suez und in Al-Arisch auf dem Sinai.

Die Muslimbrüder, aus deren Reihen Mursi stammt, riefen die Menge am Freitagabend auf, so lange auf der Straße zu bleiben, bis dieser wieder an der Macht sei. „Wir werden ihn (Mursi) auf unseren Schultern tragend (ins Amt) zurückbringen“, rief ihr Führer Mohammed Badia Zehntausenden zu. „Wir werden für ihn unsere Seelen opfern.“

Die Armeeführung hatte Mursi am Mittwoch nach tagelangen, teils blutigen Massenprotesten gegen seine Herrschaft aus dem Amt entfernt. Sie setzte den bisherigen Präsidenten des Verfassungsgerichts, Adli Mansur, als Interimspräsidenten ein. Er soll das wirtschaftlich angeschlagene Land zu Neuwahlen führen. Mit einer seiner ersten Weisungen löste er das Parlament auf.

Unmittelbar nach seiner Vereidigung hatte Mansur angekündigt, die Islamisten an der Regierung beteiligen zu wollen. Dies schlossen die religiösen Kräfte jedoch kategorisch aus. Mursi selbst bezeichnete seine Entmachtung als „klaren Militärputsch“.

In Kairo nahmen Sicherheitskräfte in der Nacht zum Samstag den stellvertretenden Führer und Hauptfinanzier der Muslimbruderschaft fest, Chairat al-Schater. Ihm wird Anstachelung zur Gewalt vorgeworfen.

Bei der Berichterstattung über die Unruhen wurde der britische BBC-Journalist Jeremy Bowen angeschossen. Im Kurznachrichtendienst Twitter wurde ein Foto des Fernsehreporters veröffentlicht, das ihn mit einem Kopfverband zeigt. „Ich bin von ein paar Gewehrkugel-Splittern getroffen worden“, schrieb Bowen via Twitter.

dpa

Mehr zum Thema

Die Situation in Ägypten verschärft sich: Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi lieferten sich Auseinandersetzungen mit dem Militär. Dabei sind mindestens zwei Mursi-Anhänger getötet worden. Das teilten Sicherheitskräfte am Freitag mit.

05.07.2013

Ägyptens Islamisten machen mobil. Nach dem Freitagsgebet wollen sie gegen den Staatsstreich des Militärs auf die Straße gehen. Die Armee macht klar: Laufen die Proteste aus dem Ruder, wird durchgegriffen.

05.07.2013

Nach dem Putsch gegen Präsident Mursi ist es in Ägypten wieder zu blutigen Krawallen gekommen. Nach Angaben staatlicher Medien sind mindestens ein Dutzend Menschen getötet worden.

04.07.2013
Deutschland / Welt Gobale Mitte-links-Bündnisse - Gabriel webt ein weltweites Netz
Matthias Koch 06.07.2013
05.07.2013