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Deutschland / Welt Niedersachsens Behörden kannten Terror-Verdächtigen von Turku
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Niedersachsens Behörden kannten Terror-Verdächtigen von Turku
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21:57 21.08.2017
Gedenken in Turku. Quelle: dpa
Göttingen/Turku

Der Attentäter von Turku und weitere nach der tödlichen Messerattacke in Finnland festgenommene Verdächtige haben monatelang in Deutschland gelebt und sind den Behörden aufgefallen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vom Montag war der aus Marokko stammende mutmaßliche Messerstecher Anfang November 2015 in Niedersachsen erkennungsdienstlich behandelt worden. Dabei wurden ihm Fingerabdrücke abgenommen. Bei dem Angriff in der finnischen Stadt Turku hatte der Mann am Freitag zwei Finninnen erstochen sowie sechs Frauen und zwei Männer verletzt.

Fünf Marokkaner festgenommen

Neben dem mutmaßlichen Haupttäter wurden in Finnland vier weitere Marokkaner festgenommen, weil sie mit ihm in Kontakt standen. Ein finnisches Gericht hatte mitgeteilt, bei dem Attentäter handele es sich um einen Asylbewerber mit dem Namen Abderrahman Mechkah. Am Dienstag soll der Terrorverdächtige dem Haftrichter vorgeführt werden. Ihm wird Mord und Mordversuch mit terroristischer Absicht vorgeworfen. Der Verdächtige, der zunächst die Aussage verweigerte, war 2016 nach Finnland gekommen. Einen Medienbericht, dass sein Asylgesuch abgelehnt worden sei, bestätigten die Behörden nicht.

Nach dpa-Informationen nutzte der Messerstecher bei seinem Aufenthalt in Deutschland mehrere Alias-Identitäten. Die Ausländerbehörde in Dortmund verzeichnete ihn im April 2016 als „unbekannt verzogen“. In Hamburg fiel er den Behörden auf, weil er sich illegal dort aufhielt. In Neuss wurde ihm eine Körperverletzung vorgeworfen. Wegen Terrorverdachts seien die Männer in Deutschland nicht aufgefallen, hieß es weiter. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums teilte mit, der 18-Jährige habe in Deutschland keinen Asylantrag gestellt, sei aber erkennungsdienstlich behandelt worden.

Nach dpa-Informationen haben sich zumindest zwei der vier zusätzlich zum Attentäter in Finnland Festgenommenen ebenfalls in Deutschland aufgehalten. Einer von ihnen sei in Hamburg und Göttingen gewesen und wegen Raubes und illegalen Aufenthalts aktenkundig geworden. Dieser Mann habe mehr als fünf Alias-Identitäten benutzt. Ein weiterer Verdächtiger im Umfeld des Täters von Turku sei in Osnabrück zur Festnahme ausgeschrieben gewesen. In Hamburg sei der Mann wegen Diebstahls aufgefallen.

Attentäter war in Niedersachsen

„Auf der Grundlage des derzeit gegebenen Erkenntnisstandes, ist im Ergebnis einer vorläufigen Einschätzung davon auszugehen, dass die Person von Ende 2015 bis Anfang 2016 unter anderem auch in Niedersachsen aufhältig gewesen ist“, hieß es beim Landeskriminalamt Niedersachsen am Montag über den Hauptverdächtigen. „Genauere Hintergründe, wie unter anderem Aufenthaltsorte und Aufenthaltszeiten, sind derzeit Gegenstand der andauernden polizeilichen Abklärungen“, sagte Sprecher Frank Federau der dpa.

EU-Kommissar Günther Oettinger bezeichnete die Messer-Attacke von Turku als Anschlag auf europäische Werte. „Der Angriff mag sich in Finnland ereignet haben, zum ersten Mal“, sagte er vor einer Schweigeminute in Brüssel. „Aber wir Europäer sind gemeinsam attackiert worden, egal, ob die Angriffe in Turku oder Paris stattfinden, in Stockholm oder in London, in Berlin oder Kopenhagen.“ Die Angreifer nähmen die Europäer, ihre Werte und ihre Art zu leben ins Visier. „Aber wir sind willens und bereit, sie zu verteidigen“, sagte Oettinger. „Am Ende werden diese Werte sich durchsetzen.“

Die Polizei geht von einem terroristischen Hintergrund aus und glaubt, dass der Attentäter gezielt Frauen attackieren wollte. Sie ermittelt wegen zweifachen Mordes und achtfachen Mordversuchs mit „terroristischem Vorsatz“. Die Polizei hatte dem Marokkaner ins Bein geschossen, er liegt im Krankenhaus. Mechkah soll deshalb per Videoübertragung angehört werden. Auch die vier Männer, die festgenommen wurden, weil sie mit Mechkah in Verbindung stehen, sollen nach dem Willen der Polizei in Haft bleiben.   

Von Jörg Blank

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