Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt US-Liste mit möglichen Terrorzielen veröffentlicht
Nachrichten Politik Deutschland / Welt US-Liste mit möglichen Terrorzielen veröffentlicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:48 06.12.2010
Wikileaks veröffentlicht US-Liste mit gefährdeten Infrastrukturen. Quelle: afp
Anzeige

Dänischer Insulin-Hersteller und deutsche Waffenmechanik: Wikileaks hat eine Liste mit Objekten weltweit ins Netz gestellt, die als wichtig für die nationale Sicherheit der USA erachtet werden. Von einer Aufzählung potenzieller „Terrorziele“ sprach die britische Zeitung „The Times“ am Montag. Die umfangreiche Liste wurde auf der umstrittenen Enthüllungsplattform veröffentlicht.

In der Diplomaten-Depesche werden neben hunderten Pipelines und wichtigen Datenkabeln auf der ganzen Welt auch Firmen genannt, deren Produkte wichtig für die nationale Sicherheit der USA seien. Darunter sind auch mehr als ein Dutzend deutsche Unternehmen. Washington verurteilte die Veröffentlichung als „unverantwortlich“.

Anzeige

Laut dem veröffentlichten Dokument ist beispielsweise das BASF- Stammwerk in Ludwigshafen als „weltgrößter zusammenhängender Chemie- Komplex“ von Bedeutung für die nationale Sicherheit der USA. Ferner werden Firmen wie Siemens als wichtiger Hersteller von Transformatoren und Turbinen zur Stromgewinnung aus Wasserkraft, die Lübecker Drägerwerk AG (Gasmesstechnik), Junghans Feinwerktechnik im baden-württembergischen Schramberg („entscheidend bei der Herstellung von Minenwerfern“) sowie diverse pharmazeutische Unternehmen in Deutschland genannt. Auf der Liste stehen auch das ostfriesische Norden und die Nordseeinsel Sylt als Anlandepunkte für die transatlantischen Unterseekabel TAT-14 und AC-1 zur Datenübertragung zwischen Europa und den USA.

Die US-Regierung verurteilte auch diese Wikileaks-Veröffentlichung scharf. „Julian Assange (der Gründer der Enthüllungsplattform) mag die Vereinigten Staaten zum Ziel haben, er bringt aber die Interessen vieler Länder und Region in Gefahr. Das ist unverantwortlich“, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley der „Times“. Es gebe wichtige Gründe dafür, dass bestimmte Informationen vertraulich behandelt würden. „Dazu zählen auch wichtige Infrastruktur und Schlüsselressourcen, die für die nationale und wirtschaftliche Sicherheit eines Landes lebenswichtig sein.“

Auch die britische Regierung kritisierte die Veröffentlichung als Gefährdung der genannten Länder. „Wir verurteilen die Herausgabe dieser geheimen Dokumente uneingeschränkt“, sagte ein Sprecher in London. „Die Enthüllungen und ihre Veröffentlichung schaden der nationalen Sicherheit in den USA, Großbritannien und anderswo. Es ist unerlässlich für Regierungen, dass sie auf der Basis geheimer Informationen arbeiten können.“ Zu den britischen Objekten auf der Liste gehören unter anderem wichtige Kabelverbindungen, Satelliten- Anlagen und Fabriken.

Nach Ansicht des britischen Senders BBC wird durch das Dokument erstmals deutlich, wie weitgehend die US-Regierung die Bedeutung ausländischer Objekte und Einrichtungen für die eigene Sicherheit interpretiert. Die US-Vertretungen in aller Welt seien im Februar vergangenen Jahres von Washington aufgefordert worden, Objekte aufzulisten, deren Verlust Einschränkungen für das Gesundheitswesen, die Wirtschaft und die nationale Sicherheit der USA zur Folge hätten.

Der Artikel wurde aktualisiert.

dpa

Mehr zum Thema

Nach der Veröffentlichung vertraulicher US-Diplomaten-Berichte steht die nächste Enthüllung an: Im Frühjahr sollen Daten aus einer US-Großbank veröffentlicht werden - und Einsicht vermitteln, wie sich Banken auf Managementebene verhalten.

30.11.2010

„Teflon“-Kanzlerin Merkel, „Alpha-Rüde“ Putin und Party-Löwe Berlusconi: Mit der Veröffentlichung vertraulicher US-Diplomaten-Berichte ist der Internet-Plattform Wikileaks ihr bisher größter Coup gelungen. Das Weiße Haus hält das Vorgehen für gefährlich.

29.11.2010

Weltweit haben sich Regierungen auf eine Veröffentlichung geheimer Dokumente aus dem US-Außenministerium auf der Internetplattform Wikileaks vorbereitet. In einer diplomatischen Großoffensive informierte US-Außenministerin Hillary Clinton zahlreiche Staaten über die möglichen Enthüllungen, darunter auch Deutschland.

28.11.2010