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Deutschland / Welt Obama will mehr Truppen in Europa
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Obama will mehr Truppen in Europa
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16:24 03.06.2014
US-Präsident Barack Obama in Warschau. Quelle: EPA/LESZEK SZYMANSKI POLAND OUT
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Warschau/Brüssel

Die USA wollen als Reaktion auf die russische Ukraine-Politik ihre Truppen in Osteuropa aufstocken und dafür eine Milliarde US-Dollar bereitstellen. Dies kündigte US-Präsident Barack Obama am Dienstag in Polen zum Auftakt seiner mehrtägigen Europareise an. Obama forderte die europäischen Nato-Partner auf, ihre über die Jahre eingedampften Wehrausgaben wieder aufzustocken. Aus der Ostukraine wurden erneut heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und prorussischen Milizen gemeldet.

Obama betonte, die Sicherheit der östlichen Nato-Staaten sei aus US-Sicht „unantastbar“. Für die befristete Entsendung zusätzlicher US-Soldaten erbitte er vom US-Kongress eine Milliarde Dollar (735 Millionen Euro) zusätzlicher Haushaltsmittel. Obama sprach nach einem Treffen mit seinem polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski in Warschau von einem „starken Signal des Engagements“.

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Östliche Nato-Staaten wie Polen, Litauen, Lettland und Estland fordern die Stationierung von Kampftruppen anderer Nato-Mitglieder. Damit wollen sie den Nachbarn Russland von Militäraktionen wie der Annexion der Krim oder der Destabilisierung in der Ostukraine abschrecken.

Zu Beginn eines Treffens der 28 Nato-Verteidigungsminister in Brüssel warf Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen Russland vor, die Stabilität und Sicherheit der gesamten euro-atlantischen Region zu bedrohen. Er begrüßte zugleich die Ankündigung Obamas zur geplanten Truppenverlegung. Entscheidungen der gesamten Allianz über neue Verteidigungspläne und Stationierungen sollen nach seinen Worten aber erst beim Nato-Gipfel Anfang September in Newport (Wales) fallen.

Diplomaten zufolge lehnen unter anderem die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusätzliche dauerhafte Truppenstationierungen im östlichen Nato-Bündnisgebiet ab. Stattdessen solle die Nato durch Manöver, mehr Ausbildung, eine Verkürzung der für die Reaktionsfähigkeit nötigen Zeiten oder die vorsorgliche Bereitstellung von Militärmaterial ihre Einsatzbereitschaft demonstrieren. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) äußerte sich ausweichend und sprach vom „richtigen Maß an Selbstbewusstsein, aber eben auch Besonnenheit“.

An diesem Mittwoch und Donnerstag nimmt Obama am Gipfel der Industriestaaten der G7 in Brüssel teil. Topthema ist auch hier die weitere Zusammenarbeit mit Russland angesichts der Ukraine-Krise. Die Staats und Regierungschefs der G7 wollen den Umgang mit Russland, das wegen seiner Ukraine-Politik in Brüssel ausgeschlossen ist, nicht verschärfen. Es sei nicht mit neuen Sanktionen zu rechnen, verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen in Berlin.

Die Präsidentschaftswahl in der Ukraine und deren Anerkennung durch Moskau hätten die Lage stabilisiert. Der Schokoladenfabrikant und milliardenschwere Oligarch Petro Poroschenko war aus der Wahl Ende Mai mit 54,7 Prozent der Stimmen als Sieger hervorgegangen. Er soll am Samstag in Kiew vereidigt werden.

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine berichteten von neuen schweren Luftangriffen der ukrainischen Streitkräfte mit Kampfflugzeugen und Hubschraubern. Das Dorf Semjonowka nahe der Großstadt Slawjansk sei am Dienstag unter Beschuss genommen worden. Das teilte einer der Anführer der Aufständischen, Wjatscheslaw Ponomarjow, der Agentur Interfax mit. Es soll mehrere Tote und Verletzte gegeben haben. Die von der EU und den USA unterstützte Regierung in Kiew hatte angekündigt, ihre „Anti-Terror-Operation“ gegen die Separatisten mit aller Härte fortzusetzen.

Der ukrainische Generalstaatsanwalt Oleg Machnizki berichtete in Kiew, bei den Kämpfen im Osten seien bisher 181 Menschen ums Leben gekommen, darunter 59 Soldaten. 293 Menschen seien in den abtrünnigen Gebieten Lugansk und Donezk verletzt worden. Die Separatisten werfen den ukrainischen Behörden vor, die wahre Zahl der Opfer zu verschleiern. Sie sprechen von Hunderten Toten und Verletzten.

dpa