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Deutschland / Welt US-Schiffe nehmen Kurs auf den Pazifik
Nachrichten Politik Deutschland / Welt US-Schiffe nehmen Kurs auf den Pazifik
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20:54 03.06.2012
Von Stefan Koch
Die USA wollen die Zahl der Kriegsschiffe im Pazifik erhöhen, dabei geht es auch um Flugzeugträger. Quelle: dpa
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Washington

Wie das Pentagon in Washington bestätigte, geht es insbesondere um die Verlegung von sechs Flugzeugträgern und diversen U-Booten, Kreuzern und Zerstörern. Hintergrund der Truppenaufstockung dürfte die anhaltende Machtverschiebung rund um das südchinesische Meer sein. Zwischen den Anrainerstaaten herrschen höchst unterschiedliche Vorstellungen über die Hoheitsrechte und vor allem über die Frage, wer die dortigen Rohstoffe ausbeuten darf.

Mit Besorgnis registriert Washington, dass Peking seine Marinestreitkräfte seit Jahren ausbaut und die Massenarmee zu kleineren, aber hochspezialisierten Einheiten umformt. Auf einer Sicherheitskonferenz in Singapur kündigte Panetta am Sonnabend an, dass die amerikanische Truppenverlegung nicht gegen China gerichtet sei, sondern die Lage im Pazifik „stabilisieren“ soll.

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Klartext sprachen dagegen japanische Konferenzteilnehmer. Im US-Sender CNN kritisierten sie die jüngsten Milliardeninvestitionen Pekings in die Marine und sprachen von einer Aufrüstung, die ganz Südostasien bedrohe. Diplomatischer drückten sich dagegen australische Militärvertreter aus, die ebenfalls die stärkere US-Präsenz in der Region begrüßten. Sie halten es für angemessen, dass ein Teil der amerikanischen Kriegsschiffe künftig vom Atlantik in den Pazifik verlegt wird. Dass ab 2016 außerdem 2500 US-Soldaten im australischen Darwin stationiert sein sollen, sei eine „vernünftige Ergänzung“.

Xinhua, Chinas staatliche Nachrichtenagentur, reagierte am Wochenende prompt und forderte die USA auf, „im Pazifik keine Wellen zu schlagen“. Dagegen hebt der Pentagon-Chef hervor, dass Peking und Washington gar keine andere Wahl hätten, als in Zukunft enger zu kooperieren. Obamas Militärstrategie sei nicht gegen diese „künftige Großmacht“ gerichtet.

Einen besonderen Stellenwert in dem neuen Konzept dürfte der frühere Kriegsgegner Vietnam besitzen. In Cam Ranh, einem ehemaligen US-Stützpunkt, traf sich Panetta gestern mit vietnamesischen Regierungsvertretern, um über ein Verteidigungsbündnis zu beraten. Wie ein Pentagon-Sprecher sagte, kam dabei auch die Bergung von etwa 1000 US-Gefallenen zur Sprache, die dem Vietnamkrieg vor 40 Jahren zum Opfer fielen und deren Leichen bis heute nicht gefunden wurden. Panetta zeigte sich in Singapur auch zu einer militärischen  Kooperation mit Birma bereit. Dazu müsse das Land aber den begonnenen Reformprozess fortsetzen, sagte er.