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Deutschland / Welt "Um das Amt des Bundespräsidenten bewirbt man sich nicht"
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13:14 09.06.2010
Präsidentschaftskandidat von Union und FDP: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Quelle: dpa
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Der Präsidentschaftskandidat von Union und FDP, Christian Wulff, legt Wert darauf, dass er sich nicht für dieses Amt beworben hat. „Ich bin nicht gedrängt worden, habe mich nicht beworben, aber die Chance beherzt ergriffen“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident dem „Hamburger Abendblatt“. „Um das Amt des Bundespräsidenten bewirbt man sich nicht.“ Zugleich sprach sich Wulff gegen eine Direktwahl des Staatsoberhauptes aus.

Er sei am Dienstagabend vergangener Woche „nach Berlin gefahren in der Erwartung, dass mich Angela Merkel für ihren Vorschlag gewinnen möchte, der Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble oder anders hätte heißen können“, sagte der CDU-Politiker. „Das Ergebnis des Gesprächs war: Angela Merkel konnte sich mich als Kandidat vorstellen.“

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Am Mittwochmittag habe er der ihr gesagt, dass er bereit wäre und sich freuen würde, „wenn sie es durchsetzen könnte“. Sicher, dass er Kandidat werde, sei er sich erst gewesen, als er am Donnerstagnachmittag ins Kanzleramt bestellt worden und dort auf Horst Seehofer, Guido Westerwelle und Angela Merkel getroffen sei.

Im Fall seiner Wahl zum Bundespräsidenten will sich Wulff an seinen Amtsvorgängern orientieren. „Jeder der Bundespräsidenten hat große Verdienste um unser Land. Jeder der Bundespräsidenten ist auf seine Weise mein Vorbild“, sagte er. Besonders verbunden fühle er sich Horst Köhler, bei dem er dessen „herausragende Fähigkeit, den richtigen Ton zu treffen und behutsame Hinweise zu geben“ lobte. Gespräche mit anderen ehemaligen Staatsoberhäuptern werde er ebenfalls suchen: „Niemand kann vermutlich mehr Rat geben als diejenigen, die das Amt innehatten.“

Als die zentrale Aufgabe des künftigen Bundespräsidenten sieht es Wulff an, Mut zu machen. „Die deutsche Nation hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie große Krisen bewältigen kann“, betonte er. Der 50-Jährige verwies zugleich auf den „Reiz eines jungen Präsidenten“. Er habe „eine Nähe zu den Fragen junger Familien, zweier schulpflichtiger Kinder, eines kleinen Kindes“ und kenne über seine Frau die Situation von Alleinerziehenden.

Eine Direktwahl des deutschen Staatsoberhaupts lehnt Wulff ab: Dies würde das Staatsoberhaupt mit Erwartungen an Macht und Einfluss versehen, die es nicht einlösen könne, begründete er. „Der Bundespräsident ist Hüter der Verfassung und Repräsentant des Staates, aber er gestaltet nicht die Tagespolitik.“

Zugleich wandte sich Wulff gegen Kritik, seine Nominierung sei nach parteipolitischen Interessen erfolgt. „Zwischen den Prozessen, die zur Kandidatur von Joachim Gauck und zu meiner Nominierung geführt haben, kann ich keine Unterschiede erkennen“, sagte er. „Ich empfinde es als höchst problematisch, wenn man unterscheidet zwischen Menschen und Parteimenschen, zwischen von außen kommenden ’Heilsbringern’ und ’Parteisoldaten’.“

Zudem warb er für neues Vertrauen zwischen Bürgern und Parteien: „Wir müssen den Graben zuschütten und die Parteien versöhnen mit mancher Bürgerinitiative und vorhandener Politikerverdrossenheit. Der Weg aus der Vertrauenskrise ist nicht der Abschied von den Parteien. Wir müssen vielmehr Brücken bauen zwischen Parteien und Bürgermisstrauen.“

ap

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