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Deutschland / Welt Unruhen in Tunesien - Berlin rät von Reisen ab
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Unruhen in Tunesien - Berlin rät von Reisen ab
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17:36 13.01.2011
In der tunesischen Hauptstadt Tunis bleibt die Lage nach Krawallen angespannt. Quelle: dpa
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Deutsche Urlauber sollten bei Reisen in das von sozialen Unruhen erschütterte Tunesien auf der Hut sein. Das Auswärtige Amt verschärfte am Donnerstag seine Sicherheitshinweise für das nordafrikanische Land und rät von Reisen ab, die nicht unbedingt nötig sind. Reiseveranstalter schätzen, dass sich etwa 10.000 Bundesbürger in Tunesien aufhalten. Der Reiseveranstalter Tui bietet kostenlose Umbuchungen an. Die Auseinandersetzungen in der Hauptstadt Tunis, wo Militär aufmarschiert ist, gingen trotz einer nächtlichen Ausgangssperre weiter.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte ein Ende des gewaltsamen Vorgehens gegen die Demonstranten. Menschenrechtler zählten bislang mehr als 60 Tote, von den nach Augenzeugenberichten viele erschossen wurden.

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Bislang ist keiner der Urlaubsorte Tunesiens am Mittelmeer von der Gewalt betroffen. Allerdings kam es in zahlreichen anderen Orten des Landes zu Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften.

Die Menschenrechtsorganisation FIDH identifizierte bislang 66 Todesopfer. Die sozialen Proteste gegen hohe die Arbeitslosigkeit richtet sich immer mehr gegen Präsident Zine el Abidine Ben Ali, der das Land seit 23 Jahren autoritär regiert.

Westerwelle forderte, die Meinungsfreiheit müsse auch in Tunesien gewahrt bleiben. Die Staatsführung müsse alle politischen Gefangenen freilassen. Für Freitag wurde die tunesische Botschafterin in Berlin zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt gebeten. Nach Schätzungen leben etwa 3000 Deutsche dauerhaft in dem nordafrikanischen Land, darunter auch viele mit doppelter Staatsbürgerschaft.

Der Reiseveranstalter Tui bietet kostenlose Umbuchungen an. Das Angebot gelte zunächst für alle Anreisen bis einschließlich 24. Januar, teilte die Tui am Donnerstag mit. Bei Stornierungswünschen werde jeder Einzelfall geprüft.

Am Donnerstag lieferten sich Polizei und etwa 300 Demonstranten in Tunis erneut Straßenschlachten. Mindestens ein Demonstrant wurde nach Augenzeugenberichten von Polizisten erschossen, die auf Häuserdächern stationiert waren. Sicherheitskräfte haben den Sitz der größten tunesischen Gewerkschaft umzingelt. Die Regierung sagte vorläufig alle Sportwettkämpfe ab.

Unter den Todesopfern ist auch ein franko-tunesischer Hochschuldozent. Der 38-Jährige unterrichtete an der Universität von Compiègne im Norden von Paris und war zu einem Austausch in Tunesien. Nach Augenzeugenberichten wurde er bei einer Demonstration in Douz im Süden des Landes von der Polizei erschossen.

Eine 67-Jährige, die sowohl die schweizerische als auch die tunesische Staatsbürgerschaft hat, ist am Mittwochabend in Dar Chaabane in Nordtunesien getötet worden. Sie hatte von einem Balkon aus eine Demonstration beobachtet und war von einer Kugel am Hals getroffen worden. Ihre Hinterbliebenen wollen Klage gegen die tunesischen Sicherheitskräfte einreichen.

In Sidi Bouzid, wo die Unruhen mit der Selbstverbrennung eines arbeitslosen Hochschulabsolventen Mitte Dezember begonnen hatten, hielt der am Mittwoch ausgerufene Generalstreik weiter an. Dort gingen mehr als 10.000 Menschen auf die Straße und forderten den Rücktritt von Ben Ali.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen verurteilte die gewaltsame Unterdrückung der Proteste. „Die flagranten Verletzungen internationalen Rechts durch die tunesische Regierung darf nicht länger von der EU ignoriert werden“, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Organisation forderte eine Kommission, um die Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen.

dpa