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Deutschland / Welt „Die Frage ist, was nach Maduro kommen soll“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Die Frage ist, was nach Maduro kommen soll“
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19:00 24.01.2019
Professorin Sabine Kurtenbach, komm. Leiterin des GIGA-Instituts für Lateinamerika-Studien in HH Quelle: Boris Rostami-Rabet

Frau Professor Kurtenbach, die Krise in Venezuela ist vor allem eine soziale. Wie würden Sie die Situation der Menschen dort beschreiben?

Das Land steckt in einer tiefen humanitären Krise. Es produziert kaum eigene Lebensmittel oder andere Waren des täglichen Bedarfs. Die Hyperinflation sorgte dafür, dass Einfuhren die Grundversorgung nicht mehr gewährleisten können. Für die Armen, die ja eigentlich die Basis der Präsidenten Chavez und Maduro waren, ist die Situation absolut prekär.

Was unterscheidet Maduro von seinem Vorgänger Chavez?

Chavez war ein charismatischer Führer mit großem Rückhalt. Und er hat Wahlen, die als frei und fair anerkannt waren, mit eindeutigen Mehrheiten für sich entschieden. Maduro hat eigentlich keine eigene Legitimität. Er wurde 2013 ganz knapp und schon höchst umstritten gewählt, im letzten Jahr war die Wahl in Venezuela eine einzige Farce.

Lesen Sie hier: Das sollten Sie über die Krise in Caracas wissen

Wie reagiert Maduro auf die Flucht von Millionen Venezuelanern und wie reagieren die Nachbarn auf die Flüchtlinge?

Die venezuelanische Regierung bezeichnet alle Berichte für übertrieben und von den USA gesteuert. Die Situation ist tragisch: Lateinamerika ist eigentlich für sein liberales Migrationssystem bekannt, in dem es wenige Probleme gab. Das ändert sich nun. Vor allem ist Kolumbien betroffen, aber auch Brasilien. Dort gab es dann massive Konflikte. Der neue brasilianische Präsident Bolsonaro nutzt das zur Verschärfung seiner Politik.

Werden die USA versuchen, wieder mehr Einfluss in Venezuela zu nehmen?

Die USA haben den sich selbst berufenen Übergangspräsidenten Juan Guaidó jedenfalls im Eiltempo anerkannt. Venezuela ist geostrategisch sehr wichtig: Erstens, weil die Ölreserven des Landes immens sind. Und zweitens, weil Nicaragua ohne das Regime in Venezuela nicht überleben kann. Das hat eine hohe symbolische Wirkung, wenn man an die Ausrufung des Sozialismus’ des 21. Jahrhunderts durch Hugo Chavez in der Region denkt. Als Beobachter fühlt man sich ein wenig an die 1980er Jahre erinnert.

Welche Chancen hat die Opposition in Venezuela?

Das hängt von ihrer Einigkeit ab. Bislang war sie ja stark fragmentiert. Das machte es Maduro bislang ja so einfach. Der kleinste gemeinsame Nenner war bislang, dass Maduro weg muss. Bedeutsamer wird aber sein, ob sich die Gegenbewegung auf einen Plan verständigen kann, wie Venezuela nach Maduro aussehen soll. Da ist noch wenig erkennbar.

Was halten Sie von Parlamentspräsident Juan Guaidó?

Er ist relativ unbekannt und spricht eine klare Sprache. Das wichtigste ist aber: Juan Guaidó ist sehr jung. Er steht damit für die Generation, die Venezuela in den letzten Jahren in Scharen den Rücken gekehrt hat. Sie wird Guaidós Kampf als Signal der Hoffnung verstehen.

Kaum Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Der Zusammenbruch der Wirtschaft in dem lateinamerikanischen Land hat zu einem starken Rückgang der deutschen Exporte geführt. Die ebenfalls geringen Einfuhren aus Venezuela werden durch Rohöl dominiert.

 

In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres fielen die Ausfuhren aus Deutschland um 28 Prozent auf 120 Millionen Euro. Nach Venezuela gehen damit nur knapp 0,1 Prozent der deutschen Gesamtausfuhren. Die Einfuhren aus Venezuela legten hingegen zuletzt zu. Sie stiegen in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres um 24 Prozent auf 289 Millionen Euro.

Deutschland importiert aus Venezuela vor allem Erdöl und Erdölerzeugnisse. Hinzu kamen noch Einfuhren von Eisen und Stahl sowie Lebensmittel.

Der Rohölreichtum Venezuelas könnte sich indirekt auf Deutschland auswirken: Sollten die Unruhen zu weiteren Einschränkungen bei der Förderung führen, dann könnte dies steigende Weltmarktpreise nach sich ziehen. Venezuela verfügt über die größten Rohölvorräte der Welt.

Von Thoralf Cleven/RND

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