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Deutschland / Welt Venezuelas Präsident Hugo Chávez ringt um sein Leben
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11:50 04.01.2013
Venezuelas Präsdident Hugo Chavez ist an einer schweren Lungenentzündung erkrankt. Quelle: dpa
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Caracas

Es ist ein politischer Abschied auf Raten. Schritt für Schritt werden die Venezolaner auf das politische Aus ihres krebskranken Staatschefs Hugo Chávez vorbereitet. Am 10. Januar müsste der 58-Jährige vor dem Parlament für eine neue Amtszeit vereidigt werden. Eine schwere Lungenentzündung und eine langwierige Behandlung in Kuba lassen dies zunehmend als unwahrscheinlich erscheinen.

Hugo Chavez  lässt in Venezuela keinen kalt. Der charismatische Präsident erzürnt die einen, die in ihm einen Fluch für das Land sehen, die anderen verehren ihn als Retter der Nation. Seit er 1999 sein Amt antrat wurde er kurzzeitig von der Macht geputscht, kehrte zurück, verstaatlichte Betriebe, bezeichnete George W. Bush als Teufel und schwor seine Partner in Lateinamerika auf eine sozialistische Revolution ein.

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Sein Ruf als Provokateur und Polit-Exzentriker steht dem des kubanischen Revolutionsführers Fidél Castros kaum nach. Die Linke Lateinamerikas bewundert vor allem, dass Chávez den Vereinigten Staaten stets die Stirn bot. Über eine Reihe von Wirtschaftsinitiativen wie die Bolivarianische Allianz für Amerika (ALBA) will er den Einfluss der USA in Lateinamerika eindämmen, mithilfe der eigenen Ölmilliarden sichert er den stetigen Einfluss Venezuelas in der Region - und freundlich gesinnten Ländern günstige Öllieferungen. Als Militär machte Chávez schnell Karriere, stieg zum Oberstleutnant auf und befehligte eine Eliteeinheit der Fallschirmjäger.

In dieser Position wagte er 1992 einen Putschversuch, der aber fehlschlug und ihm zwei Jahre Gefängnis einbrachte. Seine Anhänger feierten ihn dafür, einer korrupten und inkompetenten Regierung die Stirn geboten zu haben. Nach seiner Begnadigung 1994 nahm Chávez den politischen Kampf wieder auf und kandidierte 1998 erfolgreich für die Präsidentschaft. Zwei Jahre später setzte er nach einer Verfassungsreform Neuwahlen an, die ihm eine sechsjährige Amtszeit mit neuen Machtbefugnissen sicherte. Ein Putschversuch gegen ihn schlug 2002 fehl, auch ein von der Opposition eingefordertes Referendum zu seiner Abwahl im August 2004 entschied Chávez mit 58 Prozent für sich.

Kritik erntete Chávez für die Verstaatlichung privater Unternehmen und die Einstellung privater Fernsehsender. Seine Gegner werfen ihm vor, mit Verfassungsänderungen die Gewaltenteilung ausgehebelt zu haben und alle wichtigen Institutionen zu dominieren. Aus Protest hatte sich die Opposition vor der Parlamentswahl 2005 weitgehend zurückgezogen und Chávez damit einen klaren Wahlsieg ermöglicht. Per Referendum schaffte er dann 2009 begrenzte Amtszeiten in allen politischen Posten ab - und konnte so 2012 wieder antreten. Im Herbst schlug Chávez seinen Herausforderer Henrique Capriles knapp - und wird seine nächste sechsjährige Amtszeit nun vielleicht doch nicht antreten können. 

Vize-Präsident Nicolás Maduro soll Chávez' Politik weiterführen

Hugo Chávez' Krebsleiden könnte seine bis 2019 gesicherte Präsidentschaft radikal beenden. Für diesen Fall hat "El Commandante Presidente" schon vorgesorgt und seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge benannt: Vize-Präsident Nicolás Maduro soll Chávez' Politik weiterführen, sollte dieser vor dem Ende seiner Präsidentschaft sterben oder die Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben können. Falls es vorzeitig zu Neuwahlen kommt, wünscht sich Chávez, dass die Venezolaner seinen Schützling wählen. Maduro gilt als einer der engsten Vertrauten des Präsidenten. Der 50-jährige frühere Busfahrer ist wie Chávez ein Linker durch und durch. In jungen Jahren ließ er sich in Kuba in der Organisation von Gewerkschaften schulen und brachte dieses Wissen in seiner Heimat ein, wo er sich als Arbeitnehmervertreter im öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt Caracas engagierte. Chávez und Maduro kennen sich seit den 1980er Jahren.

Damals hatte der spätere Präsident eine Untergrundbewegung gegründet, mit der er 1992 einen Staatsstreich wagte, der aber scheiterte. Seither gelten sie als enge Freunde. Maduro war einer der wenigen, die Chávez bei seinen medizinischen Behandlungen nach Kuba begleitete. Chávez machte Maduro 2006 zu seinem Außenminister. Als Chefdiplomat setzte der sich für engere Beziehungen Venezuelas mit Russland, China und dem Iran ein. Maduro war eine der Schlüsselfiguren bei der Etablierung der Organisation ALBA, einem Bündnis politisch links geprägter Staaten in Lateinamerika, zu dem unter anderem Kuba, Bolivien und Nicaragua gehören - und das eine Alternative zu einer von den USA angestrebten gesamtamerikanischen Freihandelszone bilden soll. Drei Tage nach seiner Wiederwahl zu einer vierten Amtszeit Anfang Oktober ernannte Chávez schließlich Maduro zu seinem Stellvertreter und sorgte so dafür, dass er im Fall von Neuwahlen zunächst übergangsweise die Staatsgeschäfte lenken darf. Am 10. Januar würde Chávez' neue Amtsperiode beginnen. Oder eben die Ära Maduro.

dapd/dpa

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