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Deutschland / Welt „Das sprengen wir“: Das Videoprotokoll von Halle
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Video-Protokoll: Ladehemmungen verhinderten mehr Opfer

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13:26 10.10.2019
Ladehemmungen und eine versperrte Tür verhinderten in Halle wohl, dass mehr Menschen sterben. Quelle: Getty/imago images/Steffen Schellhorn/Montage RND
Halle

Bei den Angriffen in Halle (Saale) haben Defekte an mindestens einer Waffe des Täters allem Anschein nach eine höhere Opferzahl verhindert. In dem offensichtlich vom Attentäter aufgenommenen Tatvideo ist zu sehen, wie in mindestens zwei Fällen Ladehemmungen Menschen das Leben retten. Der Täter setzte eine vermutlich im Selbstbau hergestellte Langwaffe, eine Pistole und Sprengsätze ein.

Doch er hatte Probleme mit seinen Waffen. Immer wieder ist zu hören, wie der Mann flucht und schimpft: „Was ist falsch? Meine Fresse, Mann, lad! Ach Scheiße. Nehmen wir’s nächste. Na doch, nice, schön. Done. Good, there we go.“ In dem Video stellt er sich als „Anon“ vor. Ein geläufiger Name von 4chan-Usern.

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Täter agiert wahllos

Das fast 36 Minuten lange Bekennervideo zeigt, wie skrupellos der mutmaßliche Täter agiert. Nachdem er vor der Mauer des jüdischen Friedhofs eine Frau niedergeschossen hat, zielt er mit seiner Waffe auch auf den Fahrer eines Kurierdienstes. Die Waffe versagt, der Mann kann unversehrt entkommen.

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Vergeblich versucht der Attentäter, in die Synagoge zu gelangen. Er gibt von außen drei Schüsse auf eine Tür ab, die allerdings dem Beschuss aus einer Art Schrotflinte standhält. Er drückt wiederholt gegen die Tür und sagt: „Das sprengen wir.“ Er öffnet das Auto. Mehrere Waffen und Magazine mit Patronen sind zu sehen. Ein silbriger Gegenstand, wohl ein Sprengsatz, kommt zum Vorschein. Er schiebt ihn in den Türspalt der Synagoge. Ein Knall ist zu hören, doch der Zugang bleibt verschlossen.

Wütend schießt er vor dem Eingang um sich. Läuft hin und her. Ruft: „Verkackt!“ In seinem Wahn hat er sich wohl einen Platten bei seinem Wagen geschossen. Im Auto angekommen, beschimpft er sich weiter selbst.

Mord im Dönerladen

Wenige Minuten später gelingt im Dönerimbiss mindestens einer Person die Flucht in einen hinteren Teil des Ladens, weil die Langwaffe Aussetzer hat. Ein männliches Opfer versteckt sich hinter einer Reihe von Kühlschränken. In dem mit einer tragbaren Kamera gefilmten Video ist zu sehen, wie der Mann um sein Leben fleht. Der Täter feuert mehrfach und tötet ihn.

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Zurück auf der Straße schießt der Angreifer in Richtung eines jungen Mannes. Er hat jedoch wieder Probleme mit seiner Waffe. Der Passant kann fliehen. Danach folgt wohl die erste Konfrontation mit der Polizei. Der Attentäter flüchtet zurück in seinen Wagen, der mittlerweile auf einer Felge fährt. Ein Klingelton ist zu hören. Danach berichtet der Schütze von einer Schusswunde am Hals. Offenbar in einem Telefongespräch.

Danach ist sein Gesicht wieder zu sehen, sein Hals ist voller Blut. Er beendet die Aufnahme mit den Worten: „So, guys, das war es erst mal mit Action.“ Das Bild wird schwarz.

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Bis jetzt gibt es keine Bestätigung der Behörden dafür, dass es sich bei dem Mann im Video um den mutmaßlichen Attentäter handelt. Er floh vom Tatort und wurde am Mittwochnachmittag festgenommen.

RND/dpa/ka

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