Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Viele Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Viele Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:26 18.05.2010
In Kabul wurde ein Selbstmordanschlag verübt: Viele Tote Quelle: afp
Anzeige

Unter den Toten sind auch Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF. Ein afghanischer Armeeoffizier am Anschlagsort, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, 20 Menschen seien bei der Detonation der Autobombe ums Leben gekommen, darunter acht US-Soldaten. Die ISAF bestätigte den Tod von Zivilisten und Soldaten, machte aber keine Angaben zur Zahl oder zu den Nationalitäten.

Am 29. Mai soll in Kabul eine sogenannte Friedens-Dschirga beginnen. Auf der dreitägigen Ratsversammlung will sich Präsident Hamid Karsai breite Unterstützung der Bevölkerung für seinen Versöhnungskurs mit den Taliban sichern. Die Aufständischen machen allerdings den Abzug aller ausländischen Truppen zur Voraussetzung für Gespräche, was Karsai strikt ablehnt.

Anzeige

Das afghanische Innenministerium teilte mit, bei dem Anschlag am Dienstag seien zwölf afghanische Zivilisten getötet und 47 weitere verletzt worden. Die meisten der Opfer seien in einem Bus unterwegs gewesen, als die Bombe im morgendlichen Berufsverkehr detonierte. Zu ausländischen Opfern äußerte sich das Ministerium nicht.

Der Sprecher der NATO-geführten ISAF, der deutsche Brigadegeneral Josef Blotz, sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gebe „eine ganze Reihe toter Soldaten und eine noch größere Anzahl an getöteten Zivilisten“. Für konkrete Angaben sei es noch zu früh. Deutsche Soldaten seien nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen gewesen. Zu dem Anschlag sei es in der Nähe des Militärcamps Julien gekommen, in dem die Akademie zur Aufstandsbekämpfung untergebracht ist.

Die „Counterinsurgency Academy“ wurde von der US-Armee gegründet. Im Camp Julien seien amerikanische und afghanische Soldaten stationiert, sagte Blotz. Es habe sich um eine „größere Sprengladung“ gehandelt. Der Wagen des Attentäters sei „vermutlich vollgepackt“ gewesen mit Sprengstoff. Es seien vier bis fünf ISAF-Fahrzeuge und eine noch größere Anzahl an zivilen Fahrzeugen betroffen gewesen. Zu der Explosion sei es gegen 08.15 Uhr (Ortszeit/05.45 Uhr MESZ) gekommen.

Präsident Karsai ist erst am vergangenen Sonntag von einer USA-Reise zurückgekehrt. Bei seinem Treffen mit US-Präsident Barack Obama war es auch um mögliche Gespräche mit den radikal-islamischen Taliban gegangen. Karsai wollte sich am Dienstag im Präsidentenpalast in Kabul auf einer Pressekonferenz äußern.

Zum letzten schweren Zwischenfall in Kabul war es vor knapp drei Monaten gekommen. Am 26. Februar hatte ein Selbstmordkommando der Taliban im Zentrum der afghanischen Hauptstadt ein Hotel und zwei Gästehäuser angegriffen und dabei 17 Menschen getötet. Unter den Toten waren mehrere Inder und ein Franzose.

dpa