Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt "Ich kandidiere"
Nachrichten Politik Deutschland / Welt "Ich kandidiere"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:30 13.12.2013
Vitali Klitschko will ukrainischer Präsident werden. Quelle: dpa
Anzeige
Kiew

Der ukrainische Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko hat in der ARD angekündigt, bei der kommenden Präsidentenwahl in der Ukraine anzutreten. "Ich werde kandidieren", sagte er. Klitschko wurde live aus Kiew zugeschaltet, wo er eine nächtliche Rede vor den prowestlichen Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz halten wollte.

Als seine Visionen nannte Klitschko Reformen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und sozialen Garantien sowie die Bekämpfung der grassierenden Korruption. Die Demonstranten hätten drei Forderungen, sagte Klitschko. Die erste sei die Freilassung von 15 festgenommenen Demonstranten. Außerdem müssten diejenigen bestraft werden, die angeordnet hätten, Demonstranten zu schlagen. Und drittens: "Der Ministerpräsident und die ganze Regierung muss zurücktreten."

Anzeige

Auf die Frage, ob er Angst habe, sagte Klitschko: "Angst habe ich nicht. Angst hat mehr meine Frau, meine Familie. Auf jeden Fall: Ich bin überzeugt, man muss kämpfen für seine Vision." Auch die Demonstranten fürchteten sich nicht. Sie kämpften für europäische Werte und träumten von Reformen. Klitschko machte deutlich, dass er den Erklärungen von Regierungsvertretern, das Assoziierungsabkommen mit der EU könne vielleicht doch noch bald unterzeichnet werden, nicht traue. "Unser Präsident hat schon zigmal seit drei Jahren versprochen, das Abkommen zu unterschreiben", sagte Klitschko. Stattdessen fliege er nach Moskau.

In einem Gastbeitrag in der "Bild"-Zeitung (Freitag) bedankte er sich für die Unterstützung aus dem Ausland, insbesondere aus Deutschland: "Der Kontakt zu Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle oder auch dem CDU-Außenpolitiker Elmar Brok ist sehr ermutigend und hilft uns weiter."

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hatte zuvor erklärt, der ukrainische Staatschef Viktor Janukowitsch habe ihr bei einem Treffen gesagt, "dass er die Absicht hat, das Assoziierungsabkommen zu unterzeichnen". Ähnlich äußerte sich am Abend Vizeregierungschef Sergej Arbusow. Er schränkte aber ein: "Unsere Verhandlungen sind offen, und wir führen sie fort."

Die EU-Kommission lockt das Land mit Finanzhilfen, Russland mit einem engen Bündnis. Brüssel sicherte dem Land allgemein finanzielle Unterstützung zu, falls es das Partnerschaftsabkommen unterzeichne. "Viele Zahlen, die kursieren, basieren weder auf Fakten, noch sind sie gerechtfertigt", sagte der zuständige EU-Kommissar Stefan Füle nach einem Treffen mit Arbusow.

Kiew hatte eine Kredithilfe von 20 Milliarden Euro gefordert. Vor dem Ostpartnerschaftsgipfel Ende November in Litauen stellte die EU laut Diplomaten 600 Millionen Euro in Aussicht. Auf Druck der russischen Regierung hatte Kiew den Abschluss des Abkommens über Zusammenarbeit und freien Handel aber auf Eis gelegt.

Russlands Präsident Wladimir Putin bekräftigte seinen Willen zur Partnerschaft mit dem Nachbarland. "Wir zwingen niemandem etwas auf. Aber wenn unsere Freunde den Wunsch zur gemeinsamen Arbeit haben, sind wir bereit", sagte er in Moskau bei seiner Rede an die Nation. Er warb erneut für eine Zollunion mit der Ukraine.

Die Abgeordneten des EU-Parlaments hatten sich am Donnerstag solidarisch mit den Janukowitsch-Gegnern erklärt. Sie kündigten die rasche Entsendung einer Delegation nach Kiew an und forderten einen Dialog von Regierung und deren Gegnern. Zugleich betonten die Parlamentarier, die EU müsse über Zwangsmaßnahmen nachdenken. Die USA erwägen Sanktionen gegen Kiew. Zur Lösung des seit drei Wochen andauernden Machtkampfs plädierte Außenminister Leonid Koschara für einen "einflussreichen ausländischen Vermittler" wie den Europarat oder die EU-Kommission.

dpa

Mehr zum Thema

Das Vorgehen der ukrainischen Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten in Kiew wird international kritisiert. Die USA prüfen nun Strafmaßnahmen. Die Opposition in dem Land sieht sich im Aufwind.

12.12.2013
Meinung Ukraine und Demokratie - Zweierlei Maß

Wer eindeutig zwischen Gut und Böse unterscheiden will, braucht klare Frontlinien. Die Ukraine ist so ein weiteres Beispiel dafür, dass Demokratie seit einiger Zeit zu einem relativen Begriff wird. Eine Analyse von Alexander Dahl.

11.12.2013

Starke Polizeieinheiten sind in der Nacht zum Mittwoch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gegen Demonstranten im Stadtzentrum vorgerückt. Das Kiewer Innenministerium droht mit einem harten Durchgreifen gegen die Proteste.

11.12.2013
Deutschland / Welt „Ein kostspieliges Wahlgeschenk“ - Früher in den Ruhestand?
Gabi Stief 12.02.2015
Deutschland / Welt Zum 100. Geburtstag von Willy Brandt - Kanzler zwischen Dichtung und Wahrheit
13.12.2013