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Deutschland / Welt „Schwarzer Frühling“ in Burkina Faso
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12:50 31.10.2014
Der Protest gegen den Langzeitpräsidenten Blaise Compaore breitet sich in Burkina Faso aus.
Der Protest gegen den Langzeitpräsidenten Blaise Compaore breitet sich in Burkina Faso aus. Quelle: dpa
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Ouagadougou

In Afrika ist es eher die Ausnahme, dass ein Volk sich gegen seine Herrscher erhebt - so wie in Burkina Faso geschehen. Die Opposition spricht in Anlehnung an den „Arabischen Frühling“ bereits hoffnungsvoll von einem „Schwarzen Frühling“. Denn abgesehen von kleineren Unruhen war es bisher die Regel, dass sich die resignierte schwarze Bevölkerung in die undemokratischen Zustände fügt. So ist auch zu erklären, warum in so vielen Ländern des Kontinents die Präsidenten seit Jahrzehnten relativ ungestört an der Macht kleben.

Blaise Compaore, der Staatschef des kleinen westafrikanischen Burkina Faso, ist ein Paradebeispiel: Ende der 1980er Jahre putschte er sich an die Spitze des Landes und will seither nicht mehr weichen. Bereits im Jahr 2000 ließ er zu diesem Zweck die Verfassung ändern. Mit Blick auf die anstehenden Wahlen im kommenden Jahr sollte das Parlament ihm nun erneut den Weg zu einer weiteren Amtszeit ebnen.

Dabei ist es kein Geheimnis, dass Compaore in seiner dunklen Vergangenheit brutale Warlords wie den ehemaligen liberianischen Präsidenten Charles Taylor unterstützt hat. Auch ist bis heute ungeklärt, welche Rolle Compaore bei der Tötung seines Vorgängers Thomas Sankara gespielt hat, der während des Putsches 1987 auf mysteriöse Weise ums Leben kam.

Das Magazin „Africa Confidential“ kommentierte: „Compaore hat kaum noch Alternativen. Wenn er im Amt bleibt, dann werden die Massenproteste weitergehen. Wenn er abtritt, könnte er sein ganzes Geld verlieren und zudem vor Gericht gestellt werden.“ Veruntreuung von Staatsgeldern und illegale Bereicherung könnten zu den Anklagepunkten gehören. Als einzige Option bliebe ihm, ins Exil in ein freundlich gesinntes Nachbarland zu gehen.

Der 63-Jährige befindet sich in Afrika in illustrer Gesellschaft. Man denke etwa an den greisen Robert Mugabe, der Simbabwe seit 1987kontinuierlich in den Ruin führt. Oder an den Despoten Omar al-Baschir, der den Sudan seit 1989 mit eiserner Hand lenkt, obwohl gegen ihn schon seit Jahren ein Haftbefehl wegen Völkermordes vorliegt.

Jetzt machte die Bevölkerung von Burkina Faso ihrem ungeliebten Langzeitpräsidenten aber überraschend einen Strich durch die Rechnung. Vermutlich hatten sich Ärger und Verzweiflung zu lange aufgestaut, und die Aussicht, Compaore womöglich weitere fünf Jahre als Präsident ertragen zu müssen, brachte das Fass zum Überlaufen. Tagelang zogen Tausende Bürger durch die Straßen von Ouagadougou und setzten mehrere Regierungsgebäude in Brand.

Beobachter sprechen von einer „Revolution“ in dem bitterarmen Land. Einer kommentierte im Kurznachrichtendienst Twitter: „In der Ukraine hat es vier Monate gedauert, bis die Revolte in Fahrt kam. In Ägypten waren es drei Wochen. In Burkina Faso nur drei Tage.“

Von den 17 Millionen Einwohnern lebt die Hälfte unter der absoluten Armutsschwelle, wohl auch, weil die ehemalige französische Kolonie fast ausschließlich auf die Landwirtschaft angewiesen ist.

Jugendarbeitslosigkeit und Analphabetismus sind weit verbreitet und im „Human Development Index 2013“ rangiert das Binnenland auf Platz 181 von insgesamt 187. Von dem in so vielen Ländern des Kontinents hoch gepriesenen Wirtschaftswachstum, das auch in den Statistiken für Burkina Faso auftaucht, profitieren nur die wenigsten.

Aber Compaore will trotz der Proteste nicht gehen und ließ bereits verlauten: „Ich bin noch da, ich bin noch immer Staatsoberhaupt!“ Bis zu den Wahlen im November 2015 will er im Amt bleiben. Allerdings kündigte er an, von der geplanten Verfassungsänderung abzusehen. Ob er es damit ernst meint, bleibt abzuwarten.

dpa

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