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Deutschland / Welt Von der Leyen pocht auf Frauenquote
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22:06 17.10.2011
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wertete die Selbstverpflichtung nach dem Spitzentreffen der Bundesregierung mit den Personalvorständen am Montag als unzureichend und plädierte dafür, an einer gesetzlichen Regelung festzuhalten. Quelle: dpa
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Berlin

Sie habe Respekt für die persönliche Leistung der Personalvorstände, sagte von der Leyen. Aber ihr fehle „eine klare Aussage zu der Frage, wie geht es weiter mit Vorständen und Aufsichtsräten“.

Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) begrüßte dagegen – ebenso wie Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) – die Initiative der Wirtschaft als „großen Fortschritt“. Über das weitere Vorgehen der Regierung müsse noch geredet weder, sagte Schröder. „Es gibt noch unterschiedliche Meinungen.“

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Stellvertretend für die Konzerne lobte BMW-Personalvorstand Harald Krüger die freiwilligen Selbstverpflichtungen der Unternehmen als europaweit einzigartig. Man habe mit der Vorlage der Quotenziele, die jedes der 30 Konzerne individuell benenne, ein Versprechen des Gipfeltreffens im März eingelöst. Krüger kündigte an, dass in den kommenden fünf Jahren das Erreichte in einem jährlichen Fortschrittsbericht vorgestellt werde. „Aus unserer Sicht ist damit eine gesetzliche Regelung verzichtbar“, betonte Krüger.

Die Ziele der Dax-Konzerne fallen äußerst unterschiedlich aus. Auch ist nicht immer erkennbar, welche Positionen unterhalb von Vorstand und Aufsichtsrat gemeint sind. Adidas will seinen Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland von 26 Prozent bis 2015 auf bis zu 35 Prozent steigern. Daimler nennt als weltweite Zielmarke 20 Prozent im Jahr 2020, VW will im gleichen Jahr eine Quote von elf bis 15 Prozent erreichen. Der Gesundheitskonzern Fresenius ist eins der wenigen Unternehmen auf der Liste, der keine Quote nennt und betont, Führungskräfte würden auch weiterhin nach Qualifikation und nicht nach Geschlecht ausgesucht.

Ministerin Schröder sah sich bestätigt, dass entgegen anderslautender Wetten ihre Idee funktioniere. „Die Philosophie auf Freiheit und Verantwortung zu setzen, ist meines Erachtens die zielführende Philosophie“, erklärte Schröder. Auf die Frage nach den Konsequenzen, sollten die Unternehmen ihre Ziele nicht einhalten, erklärte sie, man sei noch in der konzeptionellen Phase.

Arbeitsministerin von der Leyen regte dagegen an, die Spitzen der Dax-Konzerne zu einem Treffen einzuladen. „Es ist an der Zeit, dass sie sagen, warum sie sich in Schweigen hüllen.“ In Deutschland gebe es einen verschwindend geringen Frauenanteil in den Vorständen der Großkonzerne, sagte von der Leyen. „Das geht einfach nicht so.“

SPD und Grüne bekräftigten ihre Forderung nach einer gesetzlichen Frauenquote. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf Schröder vor, sich mit vagen Ankündigungen abspeisen zu lassen. EU-Justizkommissarin Viviane Reding sagte der „Bild“, sie hoffe, dass es diesmal nicht bei Worten und ein paar Vorzeigefrauen bleibe. Sie sprach sich für eine gesetzliche Frauenquote aus.

Gabi Stief