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Deutschland / Welt Moppel soll dienen dürfen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Moppel soll dienen dürfen
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07:45 26.03.2014
„Muss jeder Uniformierte tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können?“, fragt von der Leyen. Quelle: dpa
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Berlin

Per Zeitungsinterview ließ die CDU-Politikerin wissen, sie wolle den „Riesenkonzern Bundeswehr“ von unnötigem Ballast befreien. „Muss jeder Uniformierte tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können?“, fragte die Ministerin und lieferte die Antwort gleich selbst: „Da müssen wir eher danach gehen, was eigentlich eine moderne, hoch technisierte Armee braucht.“ Fitness sei immer gut, eine moderne Armee brauche aber ebenso die Fähigkeit zum vernetzten Arbeiten, soziale Kompetenzen, eine moderne Unternehmenskultur und ein ausgeprägtes Technikverständnis. „Für Menschen, die das bei der Bundeswehr einbringen wollen, dürfen wir nicht unnötige Hürden aufbauen“, sagte von der Leyen. Im Klartext: Auch Moppel soll künftig beim Bund dienen dürfen.

Die Truppe dagegen will nicht auf den gewohnten Drill verzichten. „Mit Blick auf die Einsatzrealität bin ich dagegen, die Anforderungen an die Fitness zu senken“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberstleutnant André Wüstner, der HAZ. Die Bundeswehr habe aber das Problem, dass in der deutschen Gesellschaft immer weniger Sport getrieben werde. „Das macht sich auch beim Nachwuchs für die Streitkräfte bemerkbar.“

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Die Klage ist nicht neu: Bereits vor sechs Jahren hatte der damalige Wehrbeauftragte Reinhard Robbe bemängelt, dass die Rekruten immer runder würden: Mehr als 40 Prozent der jungen Soldaten seien übergewichtig, 8,5 Prozent sogar fettleibig. Der Präsident des Bundes Deutscher Fallschirmjäger, Generalmajor a. D. Georg Bernhardt, sah schon damals „ein gefährliches Auseinanderdriften der Ansprüche in der Gesellschaft und den Erfordernissen einer modernen Armee“. Die Computer- und Fernsehkultur führe dazu, dass die Menschen nur noch vor dem Bildschirm sitzen.

Russlands Staatspräsident Wladimir Putin hat gerade einen ganz anderen, eher altpreußischen Kurs eingeschlagen: mehr Härte, mehr Drill, mehr Entbehrungen für die Soldaten. GTO lautet dort die Formel für eine bessere militärische Einsatzbereitschaft, die sich in ihrer sprachlichen Langform im Deutschen mit den Worten „Bereit zu Arbeit und Verteidigung!“ übersetzen lässt. Etwas völlig Neues hat Putin damit allerdings nicht erfunden: GTO existierte schon in der Sowjetunion – als Programm zur patriotischen Selbstertüchtigung.

von Jan Sternberg

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