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Deutschland / Welt War der Heilbronner Polizistenmord eine Beziehungstat?
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17:58 21.11.2011
Die aus Thüringen stammende Polizistin war 2007 in Heilbronn auf einer Festwiese mit einem Kopfschuss getötet worden. Quelle: dpa
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Berlin/Heilbronn

Schon wieder gibt es im Fall der Neonazi-Mordserie eine Wendung. Ermittler haben zwischen der in Heilbronn getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter und dem Neonazi-Trio aus Zwickau doch eine Verbindung ausgemacht. Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, sprach im Bundestags-Innenausschuss von der Möglichkeit einer Beziehungstat, wie Teilnehmer berichten. In diesem Fall hätten die baden-württembergischen Ermittler nach viereinhalbjähriger und von Pannen begleiteter Suche endlich ein Tatmotiv.

Mit Ruhm bekleckert haben sich die Experten im Südwesten bei der Suche nach den Mördern von Kiesewetter nicht. Eine Beziehungstat wurde kurz nach der Tat geprüft und ausgeschlossen. Die Polizei muss nun erklären, wie intensiv dieser Ermittlungsansatz verfolgt wurde. Selbst nach dem Fund der Dienst- und Tatwaffen bei dem Neonazi-Trio aus Thüringen, dem neun Morde an Zuwanderern zur Last gelegt werden, hieß es: „Ein Mord an einer Polizistin passt nicht ins Raster.“

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Erst vor einer Woche hatte das mit dem Fall betraute Landeskriminalamt (LKA) eine Verbindung des Anschlags mit der Herkunft der jungen Frau verneint. Der Mord an der Beamtin habe nichts damit zu tun, dass die Beamtin selbst aus Thüringen stammt. „Dafür gibt es keine Anhaltspunkte“, hatte Dieter Schneider, Chef des Landeskriminalamts (LKA), der Nachrichtenagentur dpa gesagt. „Es mag solche Zufälle geben“, legte er nach. Aus der erneuten Durchleuchtung des Umfelds von Kiesewetter habe sich „bisher kein Motiv für das Verbrechen ergeben“.

Unter Schneiders Vorgänger Klaus Hiller hatte die Polizei monatelang nach einem Phantom gesucht: Im März 2009 stellte sich dann heraus, dass eine vermutete heiße DNA-Spur von verunreinigten Wattestäbchen stammte. Nach dem Debakel wirkte Hiller etwas hilflos, als er folgenden Satz von sich gab: „Wir haben eine Frau gesucht. Es war ein Frau. Und wir haben diese Frau gefunden.“ Und der Verfassungsschutz? Bereits nach dem Mord an der 22 Jahre alten Polizistin wurden sie konsultiert, durchleuchteten das Leben des Opfers - ohne ein brauchbares Ergebnis.

Die Bundesanwaltschaft schweigt zu der Möglichkeit einer Beziehungstat: Das Zwickauer Neonazi-Trio stehe weiter unter dringendem Tatverdacht, die Hintergründe seien aber Gegenstand intensiver Ermittlungen. Die Karlsruher Politikwissenschaftlerin Ellen Esen kritisiert, die Möglichkeit eines rechtsextremen Hintergrunds beim Mord an Kiesewetter sei von Anfang an verniedlicht worden. Das Bedrohungspotenzial aus der rechten Szene sei riesig. „Bestimmte Gruppen können jederzeit zum Opfer werden. Das hätten die Behörden wissen können und wissen müssen.“ Zu den Gefährdeten zählten neben Ausländern, Schwulen und Lesben sowie sozial Benachteiligten auch alle Staatsorgane sowie Polizisten.

dpa

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