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Deutschland / Welt Weg für Nord Stream ist frei
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21:38 05.11.2009
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Bereits in der Vorwoche hatte Dänemark die Genehmigung für die Rohrleitung erteilt. Somit fehlt nur noch die Zustimmung aus Russland und Deutschland, und dies ist reine Formsache: Die Regierungen in Moskau und Berlin sind die eifrigsten Verfechter des Nord-Stream-Projekts, das ab 2012 jährlich 55 Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas nach Europa bringen soll.

Mit der Verlegung der Rohre soll im kommenden Frühjahr begonnen werden, mehr als ein Jahr später als ursprünglich geplant. Zahlreiche Einsprüche vor allem aus Schweden hatten den Baubeginn verzögert, im Finnischen Meerbusen und bei der Insel Bornholm musste die ursprünglich geplante Trasse verändert werden. Jetzt meint die Regierung in Stockholm, dass der Bau „ohne schwere negative Umweltkonsequenzen“ durchgeführt werden könne. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte auf eine baldige Entscheidung der Skandinavier gedrängt, nachdem sich die schwedische Umweltprüfung 23 Monate lang hingezogen hatte. Neben Altbundeskanzler Gerhard Schröder als Aufsichtsratsvorsitzenden hatte Nord Stream auch den finnischen Expremier Paavo Lipponen als Lobbyisten angeheuert.

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Nord Stream, ein russisch-deutsch-niederländisches Konsortium mit Gazprom als Mehrheitseigner und e.on-Ruhrgas, der BASF-Tochter Wintershall und Gasunie (NL) als übrigen Teilhabern, will auf dem Ostseeboden zwei parallele Pipelines von 1220 Kilometern Länge legen, deren erste 2011 und die zweite ein Jahr später in Betrieb genommen werden soll. Die Kosten sind auf 7,4 Milliarden Euro veranschlagt. Während die Anhänger des Projekts auf die Versorgungssicherheit verweisen, bringen die Kritiker Umwelt- und Sicherheitsbedenken ins Spiel und prangern die wachsende Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen an. Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren machte aus seiner Skepsis kein Hehl, als er am Donnerstag in Stockholm den positiven Entscheid seiner Regierung bekannt gab. In internationalen Gewässern habe jeder das Recht, Rohrleitungen zu verlegen, weshalb der Handlungsspielraum der Regierung eingeschränkt sei, betonte Carlgren.

Heftige Kritik kommt aus Polen und den baltischen Staaten, die sich durch die Trassenführung in der Ostsee ausgegrenzt fühlen. Sie hätten eine über ihr Territorium führende Gasleitung an Land vorgezogen. Jetzt fürchten die von russischen Energielieferungen stark abhängigen Balten, dass Moskau ihnen die Zufuhr abschneiden kann, ohne dass die zahlungskräftigen deutschen Kunden vom Lieferboykott betroffen werden. Da die Pipeline nicht durch ihre Gewässer führt, hatten Polen und Balten keine Einspruchsmöglichkeiten.

von Hannes Gamillscheg