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Deutschland / Welt Welche Strategie verfolgt Obama?
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06:35 10.10.2014
Von Stefan Koch
Im Kampf gegen die IS-Miliz wachsen die Zweifel an der Effektivität der US-Luftangriffe Quelle: dpa
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Washington

Barack Obama wirbt in dieser schwierigen Lage um mehr Geduld. „Ich habe von Beginn an gesagt, dass dies nicht etwas ist, was über Nacht gelöst wird“, sagte der US-Präsident. Doch auch er weiß: Das Vertrauen in die „Koalition der Willigen“ schwindet.

Unabhängige Informationen aus dem syrisch-irakischen Kriegsgebiet sind in diesen Tagen Mangelware. Nach Einschätzung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kontrolliert der IS inzwischen den Osten der syrisch-kurdischen Stadt sowie kleinere Gebiete im Nordosten und Südosten. Der Kommandeur der Verteidiger Kobanes, Esmat al-Scheich, berichtete, die IS-Kämpfer hätten rund ein Viertel der Stadt besetzt. „Die Kämpfe halten an – Straßenkämpfe“, sagte er. Selbst im US-Verteidigungsministerium räumen führende Offiziere ein, dass die IS-Milizen immer weitere Teile der schwer umkämpften Stadt Kobane einnehmen könnten. Einmal mehr zeigt sich: Allein mit Luftangriffen lässt sich ein militärischer Sieg wohl kaum erzielen.

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Mit dem gegenwärtigen Kurs des Weißen Hauses geht vor allem Leon Panetta hart ins Gericht. Der frühere Pentagon- und CIA-Chef hält es für einen groben Fehler, dass Obama den Einsatz von Bodentruppen in Syrien ausdrücklich ausschließt: „Ein Präsident der Vereinigten Staaten muss immer alle Optionen auf dem Tisch behalten.“

Auch Pentagon-Sprecher John Kirby räumte gestern gegenüber Washingtoner Journalisten ein, dass Luftangriffe wohl nicht ausreichen werden, um die drohende Eroberung Kobanes zu verhindern. „Luftangriffe alleine werden die Stadt Kobane nicht retten“, sagte Kirby. Auch andere Städte würden wahrscheinlich noch unter die Kontrolle der Dschihadisten fallen. „Es lässt sich nicht leugnen, dass uns ein Partner am Boden fehlt.“

Die moderaten syrischen Rebellen, die von den USA unterstützt werden, seien noch nicht einsatzfähig. „Eine schlagkräftige Truppe, die es mit den Terrormilizen aufnehmen kann, lässt sich nicht über Nacht aufstellen“, erklärte Kirby.

Ohnehin geht die US-Regierung mittlerweile davon aus, dass die eigentliche Schlüsselrolle im Kampf gegen den IS der Türkei zukommt. So reiste Obamas Sondergesandter John Allen ebenso wie der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gestern nach Ankara, um die türkische Regierung für ein stärkeres Eingreifen in Syrien zu gewinnen.
Wie es in Kreisen des Weißen Hauses heißt, soll der frühere General John Allen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einen umfangreichen Forderungskatalog übergeben:

  • Verstärkte Grenzkontrollen, um das Einsickern islamistischer Kämpfer nach Syrien zu unterbinden.
  • Verstärkte Kontrollen der Banken, um die verdeckte Finanzierung der Terrorbanden zu stoppen.
  • Ein begrenzter Einsatz von Bodentruppen in unmittelbarer Nähe der türkisch-syrischen Grenze.
  • Freigabe der türkischen Luftwaffenstützpunkte für US-Kampfflugzeuge, die in Syrien und im Irak zum Einsatz kommen.

Ob die Regierung in Ankara auf die Vorstellungen der US-Regierung eingeht, ist bisher nicht absehbar. Die Türkei dringt vor allem darauf, auch für einen etwaigen Bodentruppeneinsatz eine größere Allianz zu schmieden. „Dass nur die Türkei ganz alleine eine Bodenoperation unternimmt, ist kein realistischer Ansatz“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Zur US-Kritik hieß es in türkischen Regierungskreisen, man weise jeglichen Vorwurf zurück, die Türkei sei für den Vormarsch der IS-Extremisten verantwortlich. Die Verbündeten, insbesondere die USA, hätten sehr lange gezögert, bevor sie sich entschieden hätten, auf die Ereignisse zu reagieren.

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