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Deutschland / Welt Welches Europa wollen wir?
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22:02 24.01.2017
Von Bernd Haase
Andreas Michaelis und Marina Kormbaki reden über Europa.
Andreas Michaelis und Marina Kormbaki reden über Europa. Quelle: Schaarschmidt
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Flüchtlingskrise, Streit um Finanzen, der Austritt Großbritanniens: Die Europäische Union befindet sich gerade in schwerem Fahrwasser, und das mit einem Schiff, das nie richtig fertig geworden ist. Dieses Sprachbild benutzte Andreas Michaelis, Berater des Bundesaußenministers in wichtigen außen- und sicherheitspolitischen Fragen, beim gemeinsamen Forum von HAZ und Auswärtigem Amt im Pressehaus in Kirchrode.

"Welches Europa wollen wir?", lautete die Fragestellung unter Moderation von Politikredakteurin Marina Kormbaki vom Redaktionsnetzwerk Deutschland. Michaelis räumte ein, dass die Arbeit am europäischen Projekt durch die Osterweiterung auf 28 Staaten nicht einfacher geworden ist. Auf der anderen Seite verglich er - noch ein Sprachbild - die Europäische Union angesichts der globalen Entwicklung mit einem "Sicherheitshaken in einer gefährlichen Bergwand, die wir durchsteigen."

Geht es nach den Bürgern, die das Forum besuchten, steht Europa nicht grundsätzlich infrage. Eine Mehrheit von ihnen würde sogar einen EU-Pass gegen den deutschen tauschen. Aber die Union könnte schon anders sein. Auf der Wunschliste standen unter anderem ein einheitliches Steuersystem, um Steuerflucht etwa durch große Konzerne zu verhindern, klarere Entscheidungsprozesse, eine stärkere Rolle des europäischen Parlaments gegenüber der Exekutive sowie mehr Transparenz. "Europa ist schwach in der Öffentlichkeitsarbeit. Wenn sich das nicht ändert, gibt es kein Verständnis bei den Bürgern", sagte ein Zuhörer.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein Aspekt des Forums, das in vergleichbarer Form an 30 weiteren Orten in Deutschland angeboten wird und das Außenminister Frank-Walter Steinmeier "Klinkenputzen für Europa" genannt hat. Das Auswärtige Amt sammelt die Beiträge in einer Bürgerwerkstatt und stellt sie im März vor.