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Deutschland / Welt Westerwelle fordert mehr Respekt für deutsche Soldaten
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16:04 03.03.2013
Foto: Der Wehrbeauftragte des Bundestags sieht erhebliche Missstände beim Bundeswehr-Einsatz in der Türkei.
Der Wehrbeauftragte des Bundestags sieht erhebliche Missstände beim Bundeswehr-Einsatz in der Türkei. Quelle: dpa
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Berlin

Deutsche Soldaten beklagen erhebliche Missstände beim Bundeswehr-Einsatz in der Türkei. Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite werde „überwiegend als problematisch empfunden“, heißt es in einem Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP), in dem er Eindrücke von einem Truppenbesuch im Nato-Partnerland vor wenigen Tagen schildert. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) versprach, dass sich die Bedingungen für den im Januar begonnenen Einsatz zum Schutz der Türkei vor syrischen Raketenangriffen bald verbessern.

Die deutschen Soldaten sehen sich nach Angaben des Wehrbeauftragten am Einsatzort Kahramanmaras mit einer ganzen Serie von Problemen konfrontiert. Besonders hervorgehoben wird, dass während des Türkei-Besuchs des Verteidigungsministers vor einer Woche ein türkischer General eine deutsche Soldatin „geschubst“ habe. Sie habe danach über Prellungen geklagt. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte mehr Respekt gegenüber den deutschen Soldaten. Er sagte der „Welt“ (Montag): „Wir sind als Freunde gekommen und möchten wie Freunde behandelt werden.“

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel meinte: „Das darf natürlich nicht passieren“ und ergänzte: „Man muss immer wissen, dass dort zwei völlig unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen.“ In dem Bericht werden etwa die Zustände im Sanitärbereich der türkischen Kaserne als „unhaltbar“ beschrieben. Toiletten seien völlig verdreckt, die meisten verfügten nicht über eine Wasserspülung. Die türkische Armee unterbinde zudem den Kontakt zwischen ihren Soldaten und den Deutschen. Wer Kontakt aufnehme, werde „gemaßregelt“. Die Verpflegung sei eintönig, in der Regel gebe es nur kaltes Essen.

Derzeit sind etwa 300 Bundeswehrsoldaten dort stationiert, um die Türkei mit „Patriot“-Flugabwehrraketen zu schützen. De Maizière betonte, die Bundeswehr habe zunächst dafür sorgen müssen, dass sie ihren Auftrag erfüllen kann. Jetzt gehe es darum, die Bedingungen zum Beispiel im Sanitärbereich zu verbessern. „Die Türkei hat sich große Mühe gegeben, für gute Unterkunftsbedingungen zu sorgen“, sagte er. In Kürze würden neue Quartiere fertiggestellt.

Unterdessen ist die vorausgegangene Soldaten-Schelte de Maizières für den Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, noch nicht vom Tisch. Der Minister hatte sich nach seiner Kritik an der angeblichen Gier der Soldaten nach Anerkennung für seine Wortwahl entschuldigt. „Aber er sollte das noch etwas deutlicher machen“, forderte Kirsch am Samstag am Rande eines Tagung des Reservistenverbandes in Königsbronn. De Maizière hatte dort zuvor gesagt, er habe nicht den richtigen Ton getroffen - die Melodie bleibe aber richtig.

Zwei Tage nach der Zustimmung des Bundestags zum Bundeswehreinsatz in Mali ist ein deutsches Tankflugzeug mit 30 Soldaten an Bord in das westafrikanische Krisengebiet geflogen. Nach Angaben der Bundeswehr traf der Airbus aus Köln-Wahn am Samstagnachmittag in der senegalesischen Hauptstadt Dakar ein. Von dort aus soll das Spezialflugzeug französische Kampfjets in der Luft betanken. Am Sonntag hieß es, das Tankflugzeug sei einsatzbereit.

Die Bundeswehr bereitet sich derweil darauf vor, die etwa 80 noch in Mali lebenden Deutschen in Sicherheit zu bringen. Unter ihnen sind nach einem Bericht des „Spiegels“ auch die Beschäftigten der Deutschen Botschaft in der Hauptstadt Bamako.

dpa