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Deutschland / Welt Labskaus für Spahn, Mitleid für Merz und AKKs Anti-Merkel-Rezept
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06:34 16.11.2018
Auf der ersten CDU-Regionalkonferenz stellten Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn sich den Fragen der CDU-Basis. Alle drei wollen CDU-Vorsitzende werden. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Lübeck

Die erste Abstimmung erfolgt gleich am Anfang. Drei Kandidaten stehen auf der Bühne. Alle wollen sie den CDU-Vorsitz übernehmen. Es gibt großen Applaus bei Annegret Kramp-Karrenbauer, etwas mehr und begeisterte Pfiffe für Friedrich Merz, etwas weniger für Jens Spahn. Vorteil Merz also. „Fröhlich“, befindet, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther als Gastgeber des Abends. Der beginnt erst, genauso wie der Wettbewerb um den Parteivorsitz.

Es ist die erste der acht Regionalkonferenzen der CDU, 800 Parteimitglieder sind dafür nach Lübeck gekommen, vor allem aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Schwarz-rot-gelb ist die Bühne, der Saal ist voll. Anfang Dezember entscheidet ein Parteitag. Bis dahin müssen die Kandidaten versuchen einen Trend für sich aufzubauen.

Die Regionalkonferenz in Lübeck zum Nachlesen

In Lübeck gibt es erst Applaus. Die Kandidaten losen die Reihenfolge für ihre Reden aus. Kramp-Karrenbauer zieht das Schild mit der Nummer 1 und hält es in die Höhe, Merz hat die Nummer 2. Spahn die Nummer drei. Bilder bleiben oft hängen. Vorteil Kramp-Karrenbauer.

Kramp-Karrenbauer will klären „wie wir den Herbst 2015 beurteilen“

Zehn Minuten hat dann jeder für seine Rede. Kramp-Karrenbauer spricht von Dynamik, Erneuerung und neue Stärke. „Diese Partei lebt und sie will diskutieren“, ruft sie, verweist darauf, dass sie viel in der Partei unterwegs gewesen sei. Dass die CDU-Generalsekretärin damit auf Friedrich Merz anspielt, schwingt mit.

Dann folgt doch noch ein inhaltlicher Punkt: „Seit September 2015 haben viele Zweifel, ob wir noch Partei der Sicherheit sind“, sagt Kramp-Karrenbauer mit Blick auf den Beginn der Flüchtlingsdebatte. Ihre Gegner werfen der Generalsekretärin vor, zu nah an Kanzlerin Merkel zu sein. Kramp-Karrenbauer nutzt ihre zehn Minuten, um sich abzugrenzen: Nach dem Parteitag müsse man sich zusammensetzen und „endgültig klären, wie wir den Herbst 2015 beurteilen“. Und auch, was daraus folge. „Wenn wir das schaffen, dann sind wir stark“, sagt Kramp-Karrenbauer. Merkels „Wir schaffen das“ hat ein neues Ziel.

Merz will die AfD halbieren

Dann ist Merz an der Reihe und erntet erstmal Spott: „Es macht richtig Spaß, wieder dabei zu sein“, sagt er. Er merke jetzt erst „was mir in den letzten Jahren ein bisschen gefehlt hat“. Der Saal antwortet ironisch mit einem kollektiven: „Oooh.“ Seine Ideen hat Merz durchnummeriert. An erster Stelle steht: „Die CDU ist eine Volkspartei der Mitte. Wir führen sie nicht nach links, nicht nach rechts.“

Er lobt Merkel, ein ums andere Mal, kluge Positionierung gegenüber USA, richtiger Ansatz da und die Aggression der CSU – eine Unverschämtheit, kein christlicher Umgang. Das Image des Neoliberalen, des Mannes, der Merkel stürzen will, soll an diesem Abend verschwinden, das wird klar. Wie Kramp-Karrenbauer fordert er mehr Beteiligung. Und auch er will etwas schaffen: „Wenn wir das schaffen, können wir 40 Prozent erreichen, dann traue ich mir zu, die AfD zu halbieren. Das geht“, ruft er. Der Saal jubelt.

Jens Spahn will deutsche Gelassenheit bewahren

Spahn wird gleich anmerken, es wäre schön gewesen, wenn Merz sich schon in den letzten Jahren mit eingebracht hätte in der CDU. Der Hinweis auf Merkel ist: Die CDU habe die AfD groß gemacht, könne sie aber auch wieder klein kriegen. Spahn erwähnt, dass er in Schleswig-Holstein leckeren Labskaus gegessen habe, verspricht sich ausgerechnet beim Wort „konservativ“ und bringt dann noch seine Mutter ins Spiel. Die habe gefragt, warum er sich für dieses Amt bewerbe. „Mama, weißt Du noch, wie das war vor 20 Jahren?“ habe er zurückgefragt. Es gebe nun eine „wahnsinnig entspannte Gelassenheit und Offenheit“ in Deutschland. Die wolle er bewahren.

Kandidaten beantworten zwei Stunden lang Zuschauerfragen

Dann fragen die Zuhörer, zwei Stunden lang. Es geht um Fahrverbote, Wölfe, Plastikmüll in den Meeren, um Donald Trump und Wohnungsnot. Nur in einer Frage schwingt das Flüchtlingsthema mit.

Das CDU-Wehmuts-Thema Wehrpflicht klingt an: Keiner der Kandidaten befindet, die Wehrpflicht müsse wieder eingeführt werden. Der hessische Unternehmer Andreas Ritzenhoff, der sich auch um den CDU-Vorsitz kandidieren will, aber noch keine Unterstützer in der Partei gefunden haben, fragt nach Konzepten in der Chinapolitik.

Dann kommt die Frage der Fragen: Ob man Kanzlerschaft und Parteivorsitz nicht dauerhaft trennen solle, will ein CDU-Mitglied wissen. Auf der Bühne verstehen sie die Frage so: Wie lange bleibt Merkel. Spahn und Merz fühlen sich offenbar ertappt. „Wenn ich Parteivorsitzender werden sollte, gilt meine erste Aufmerksamkeit der Partei“, sagt Spahn. Er werde mit Merkel gut zusammenarbeiten. Merz sagt, er habe früher Meinungsverschiedenheiten mit Merkel gehabt. Aber das Kanzleramt sei „eines der höchsten Staatsämter“ – „und die entziehen sich einem solchen Streit“. Die Kanzlerin sei „gewählt und bis 2021 im Amt“. Kramp-Karrenbauer weist darauf hin, dass sie ihr Ministerpräsidentenamt für das der Generalsekretärin aufgegeben hat – da könne sie ja wohl kaum schon den nächsten Job im Blick haben.

Alles klar? Offenbar nicht. Ein junger Mann findet, man habe sich auf dem Podium ja viel gegenseitig zugestimmt. „Wir sollen uns doch entscheiden. Wo sind ihre Unterschiede?“ Merz antwortet: „Wir haben ausgemacht, nur gut übereinander zu sprechen.“

Von Daniela Vates/RND

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