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Deutschland / Welt Wie radikal dürfen Euro-Gegner sein?
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08:39 22.04.2013
Von Gunnar Menkens
„Das Mitglied ist uns wohl durchgerutscht“: Viktor Kasper beim AfD-Parteitag. Quelle: Laif
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Hannover

Stolz schwenkt der Mann im Saal eine riesige Schärpe in den Deutschlandfarben, auf den Plätzen darum herum lachen Männer und Frauen über so viel zur Schau gestellte Vaterlandsliebe. Es ist der Gründungsparteitag der „Alternative für Deutschland“ (AfD), er soll für die Euro-Kritiker das Signal zum Aufbruch in eine krisenfeste Währung und ein besseres Deutschland sein. Viktor Kasper, 64, Russlanddeutscher, der Schärpenträger aus Hannover, ist dabei. Jetzt, eine Woche nach der Versammlung in Berlin, will die neue Partei ihn loswerden. Der Grund: seine Nähe zur rechtsextremen NPD.

„Das ist unvereinbar mit den Grundwerten der ,Alternative für Deutschland’, sagte Vorstandsmitglied Bernd Lucke am Wochenende und kündigte ein Ausschlussverfahren an. Er sprach neutral von „einem Mitglied“, Kasper ist jedoch gemeint. Es habe Kontakte zur NPD gegeben, die dem Vorstand beim Eintritt in die Partei verschwiegen worden seien.

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Der Fall des Russlanddeutschen steht beispielhaft für die Anziehungskraft, die die Anti-Euro-Partei auf Radikale, Versprengte oder in anderen Parteien Gescheiterte hat. Die Hinwendung zur Deutschen Mark lockt offenbar Menschen an, die von der Partei mehr Programm erhoffen als nur Schritte zu einer stabilen Währung, bei etlichen Anhängern herrschen Multikulti-Ängste und Parteienverdruss. Kasper zwingt der AfD eine Debatte darüber auf, wie gut ihr Schutz gegen Extreme funktioniert.

„Das Mitglied ist uns wohl durchgerutscht“, sagte eine Sprecherin am Sonntag, man überprüfe eigentlich die politische Vergangenheit derjenigen, die Mitglied werden wollen. Die Partei habe inzwischen fast 10.000 Mitglieder, das dauere schon mal. Die Suchmaschine Google gab sie als wichtigstes Hilfsmittel an. Jeder Eintrittswillige muss erklären, keiner extremen oder ausländerfeindlichen Organisation anzugehören. Die „Bild“-Zeitung hatte Kasper mit seiner Schärpe gezeigt. Die Sprecherin sagte, man sei bereits „selbst dran gewesen“.

Die Karriere des 64-Jährigen lässt sich  im Internet zurückverfolgen: Man stößt auf seinen „Freundeskreis der Russlanddeutschen Konservativen“ ebenso wie auf Hinweise auf gemeinsame Aktionen mit der NPD. Ein Grußwort auf einem NPD-Parteitag sollte die Verbindung des russlanddeutschen Freundeskreises zu den Nationaldemokraten stärken. Eine von Kasper 2008 angemeldete Demonstration in Friedland bei Göttingen soll vom Gericht untersagt worden sein, da auch „freie Kameradschaften“ und „autonome Nationalisten“ erwartet wurden. Bevor Kasper sich der NPD zuwandte, wollte er angeblich schon mal Kreisvorsitzender der CDU-Hannover, Regionspräsident und Landtagsabgeordneter für die Schill-Partei werden.

Ein niedersächsischer Landesverband der „Alternative für Deutschland“ soll am 1. Mai in Lüneburg gegründet werden.

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Gunnar Menkens 08.04.2013