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Deutschland / Welt WikiLeaks-Gründer Assange in London festgenommen
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14:02 07.12.2010
Wikileaks-Gründer Julian Assange bei einer Pressekonferenz vor wenigen Tagen in Genf. Quelle: ap
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Der Gründer der Internetplattform Wikileaks, Julian Assange, ist am Dienstag von der britischen Polizei festgenommen worden. Der 39 Jahre alte Australier sei verhaftet worden, als er zu einem vereinbarten Treffen auf eine Londoner Polizeistation gekommen sei, teilte Scotland Yard am Dienstag mit. Er werde im Laufe des Tages einem Richter in London vorgeführt. Dieser entscheidet dann über eine mögliche Auslieferung Assanges an Schweden.

Die britischen Behörden hatten am Montag einen neuen Haftbefehl aus Schweden erhalten, wo Assange wegen Vergewaltigungsvorwürfen von der Justiz gesucht wird. Auch die internationale Polizeibehörde Interpol hatte den Gründer der Internet-Enthüllungsplattform auf die Fahndungsliste gesetzt. Assange bestreitet die Vorwürfe. Einen ersten Haftbefehl aus Schweden konnten die britischen Behörden wegen dessen Unvollständigkeit nicht vollstrecken.

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Die Enthüllungs-Plattform Wikileaks will auch nach der Festnahme von Assange weitermachen. Die nächste Veröffentlichung geheimer Dokumente des US-Außenministeriums werde sogar noch mehr Papiere als üblich enthalten, kündigten die Wikileaks-Aktivisten über den Online-Dienst Twitter an. „Die heutige Aktion gegen unseren Chefredakteur Julian Assange wird unsere Arbeit nicht beeinträchtigen.“

Den Anlass für die weltweite Fahndung gaben im August zwei Schwedinnen: Ihren Angaben nach soll Assange mehrmals ungeschützten Sex verlangt und gegen ihren Willen durchgesetzt haben. Mit geschütztem Sex wären sie nach Medienberichten einverstanden gewesen.

Der Kopf der Enthüllungs-Plattform wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer durch die USA gesteuerten Verschwörung. Es begann ein juristisches Verwirrspiel, da wechselnde Staatsanwältinnen in Schweden die Vorwürfe ganz unterschiedlich bewerteten. Einen ersten Haftbefehl hob die schwedische Justiz innerhalb von 24 Stunden wieder auf, ermittelte aber weiter.

Im November folgte ein zweiter schwedischer Haftbefehl. Zudem ließ die Staatsanwaltschaft Assange über die internationale Polizeibehörde Interpol zur Fahndung ausschreiben. Es galt als sicher, dass sich der Gesuchte in Südengland aufhielt. Ein EU-weiter Haftbefehl war zunächst an einem Formfehler gescheitert. Schweden besserte nach, die britische Polizei musste den Haftbefehl vollstecken. Nach einem Verhör kann nun Anklage gegen Assange erhoben werden.

Mit der spektakulären Enthüllung geheimer diplomatischer Dokumente sorgt Wikileaks seit Monaten weltweit für Schlagzeilen. Am 28. November begann Wikileaks mit der Veröffentlichung von mehr als 250.000 US-Depeschen im Internet, in denen Diplomaten dem Außenministerium in Washington Einschätzungen über ihre Gastländer mitteilten oder über geheime Verhandlungen berichteten.

dpa/afp

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Die britische Polizei hat den Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, in London verhaftet. Der Australier wird in Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen von der Justiz gesucht. Via Twitter kündigten die WikiLeaks-Aktivisten derweil an, weitermachen zu wollen.

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