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Deutschland / Welt Wissenschaftler fordern bessere Bildungsförderung von Migranten
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18:17 06.09.2010
Jugendliche mit Migrationshintergrund erfahren in vielen Bildungsbereichen Nachteile - behaupten Wissenschaftler.
Jugendliche mit Migrationshintergrund erfahren in vielen Bildungsbereichen Nachteile - behaupten Wissenschaftler. Quelle: dpa
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Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen deutlich seltener ein Gymnasium als gleichaltrige deutsche Kinder. Mehr als doppelt so häufig sind Migrantenkinder dagegen auf einer Hauptschule anzutreffen. Darauf hat der Sozialwissenschaftler und Autor des jüngsten Bildungsberichtes von Bund und Ländern, Martin Baethge, am Montag bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin hingewiesen. Baethge bezeichnete die bessere Bildungsförderung der Migrantenkindern als eines der wichtigsten Aufgaben der Bildungspolitik.

Während die Zahl der deutschen Kinder weiter rückläufig ist, wächst der Anteil der Migrantenkinder - vor allem in städtischen Ballungsgebieten. In Frankfurt/Main haben laut Bildungsbericht 2010 bereits 72 Prozent aller unter Dreijährigen einen Migrationshintergrund. In München und Stuttgart gilt dies für mehr als die Hälfte der unter 15-Jährigen.

Die Unterschiede bei der Bildungsbeteiligung beginnen bereits im Kindergartenalter. Während im Westen über 95 Prozent der Vier- bis Fünfjährigen ohne Migrationshintergrund einen Kindergarten besuchen, sind dies bei Kindern mit ausländischen Wurzeln nur 85 Prozent.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt, forderte vom Bund und Ländern eine gemeinsame Strategie zur Weiterentwicklung des Bildungssystems. Es reiche nicht aus, lediglich regelmäßig Bildungsberichte vorzulegen und dabei auch Fehlentwicklungen zu benennen. Notwendig seien Perspektiven für tatsächliche Verbesserungen.

Bei der Deckung des Fachkräftebedarfs sieht Baethge in den kommenden Jahren vor allem Engpässe in Gesundheits- und Sozialberufen und bei höherwertigen akademischen Tätigkeiten. Bei Ingenieuren und Lehrern werde die Arbeitsmarktlage zwar angespannt sein, gleichwohl sei die Angebots-Nachfrage-Relation noch rechnerisch ausgeglichen, sagte der Wissenschaftler unter Berufung auf eine Arbeitsmarktprognose seines Soziologischen Forschungsinstitut in Göttingen.

„Ohne gewaltige Anstrengungen ist der Fachkräftebedarf in Zukunft nicht zu decken“, sagte Baethge. Unqualifizierte müssen durch Weiterbildung für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden, zugleich müssten aber auch die Begabungsreserven bei Kindern aus bislang bildungsfernen Familien erschlossen werden.

Untersuchungen haben wiederholt die Nachteile von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystems belegt. So erhalten laut der IGLU-Grundschulstudie Kinder mit Migrationshintergrund auch bei gleicher Intelligenz und Lernvermögen weitaus seltenen eine Gymnasialempfehlung ihres Lehrers als Kinder deutscher Herkunft.

Nachteile haben Jugendliche mit Migrationshintergrund auch bei der Lehrstellensuche. 15 Monate nach Ende ihrer Hauptschulzeit hatten von den Deutschen mit „guten bis sehr guten“ Mathematikleistungen 64 Prozent einen Ausbildungsplatz gefunden. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund waren dies bei gleichen Noten nur 40 Prozent.

Laut Bildungsbericht 2010 verfügten 2008 bei den 20- bis unter 30-Jährigen insgesamt 17 Prozent über keinen beruflichen Bildungsabschluss und nahmen auch nicht mehr an Bildungsmaßnahmen teil. Unter den jungen Menschen mit Migrationshintergrund betrug dieser Anteil 31 Prozent.

dpa