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22:16 12.01.2014
 „Wir haben aktuell kein Verhältnis“: Olaf Glaeseker sagt am Donnerstag im Prozess gegen seinen früheren Dienstherrn Christian Wulff aus. Quelle: dpa
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Hannover

Die beiden waren unzertrennlich. Christian Wulff, der damals aufstrebende Politiker, und Olaf Glaeseker, sein Sprecher und Berater, ein Mann mit vielen guten Kontakten. Vor zwei Jahren kam der Bruch, danach dann die tiefe menschliche Enttäuschung. In den nächsten Wochen begegnen sie sich wieder – im Gerichtssaal. Gegen beide Männer wird aus unterschiedlichen Gründen ein Korruptionsvorwurf erhoben, und der eine muss beim anderen als Zeuge aussagen. Nächsten Donnerstag wird Glaeseker im Wulff-Prozess befragt, am 10. Februar soll sich Wulff zu Glaeseker äußern.

Gibt es wieder eine Annäherung der Männer, die so lange gemeinsam auf der Erfolgsleiter nach oben geklettert waren? Glaeseker hat jetzt im „Spiegel“ ein Interview gegeben. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass er sich in dieser Form äußert. Aber zwischen den Zeilen wird Distanz deutlich. „Wir haben aktuell kein Verhältnis, was ich – nach dem, was passiert ist – auch für ganz normal halte. Ich habe ihm verziehen und gucke nach vorne“, sagt Glaeseker zunächst. Wenig später aber spricht er von den „traurigen Momenten“ in der Vorweihnachtszeit 2011, als Wulff ihn zwei Tage vor Heiligabend als Bundespräsidenten-Sprecher entlassen hatte. Ob Wulff an ihm hätte festhalten können? „Das ist Schnee von gestern. Ich kümmere mich jetzt um meine Zukunft“, lautet die Antwort.

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Dann aber wird deutlich, dass nicht nur die Entlassung 2011 für Glaeseker eine tiefe Enttäuschung war, sondern vor allem das, was Wulff später intern zu den Dingen sagte, die Glaeseker als „Korruption“ vorgeworfen werden. Glaeseker war zwischen 2003 und 2010 Sprecher der niedersächsischen Landesregierung. Dreimal fanden Prominenten-Partys namens „Nord-Süd-Dialog“ statt, eine Veranstaltung mit zwei Schirmherren, den Ministerpräsidenten aus Niedersachsen und Baden-Württemberg. Organisiert hatte diese Treffen der Eventmanager Manfred Schmidt, er soll auch kräftig daran verdient haben. Glaeseker hat sich als niedersächsischer Staatssekretär intensiv an der Sponsorensuche beteiligt. In dieser Zeit sollen Glaeseker und seine Frau mehrfach kostenlose Urlaube auf Anwesen von Schmidt in Spanien und Südfrankreich verbracht haben. Die Staatsanwaltschaft wittert Bestechung – die Urlaube seien eine Gegenleistung dafür gewesen, dass Glaeseker als Landesbediensteter Sponsoren für die „Nord-Süd-Dialoge“ eingeworben hatte.

Glaeseker selbst zeichnet ein ganz anderes Bild von den Ereignissen: Die Sponsoren habe er nur gesucht, weil es im Interesse von Wulff gewesen sei, dass diese Prominententreffen ein voller Erfolg wurden. Die CDU/FDP-geführten Regierungen in Baden-Württemberg und Niedersachsen hätten damals mit diesen Partys den Streit zwischen Porsche und VW überstrahlen wollen. Die Sponsorensuche habe dazugehört, Wulff selbst habe auch Sponsoren angesprochen. Die Aufenthalte bei Manfred Schmidt seien keine Urlaube gewesen, sondern Besuche bei Schmidt zu Hause. Sie hätten nichts mit den „Nord-Süd-Dialogen“ zu tun gehabt, seien vielmehr Ausdruck der engen Freundschaft zwischen Glaesekers und Schmidt, die schon lange vor Glaesekers Aufstieg bei Wulff begonnen habe – und völlig unabhängig vom Geschäft sei. Man besuche sich häufig gegenseitig, bis heute.

Als Zeuge äußerte sich Wulff dazu gegenüber den Ermittlungsbehörden im Sommer 2012. Dabei gab er an, von den vielen Urlaubsaufenthalten Glaesekers bei Schmidt nichts gewusst zu haben – und auch nicht von der Sponsorensuche Glaesekers. Dabei geschah dies nach Glaesekers Version doch zum Wohle Wulffs und mit dessen Billigung – wenn auch nicht im ausdrücklichen Auftrag. Im „Spiegel“-Interview lässt Glaeseker nun, auf diesen Widerspruch hingewiesen, deutliche Distanz zum früheren Bundespräsidenten erkennen. Wulff, sagt Glaeseker, habe nach seinem politischen Sturz „schwersttraumatische Erlebnisse“ gehabt, ähnlich wie ein Unfallopfer nach einer Massenkarambolage. „Da verschiebt sich gelegentlich die Perspektive.“ Dann fügt Glaeseker hinzu: „Aber oft kommt die Erinnerung ja auch wieder.“

Ob Glaeseker hofft, dass sich Wulff in seiner Zeugenaussage am 10. Februar eines Besseren besinnt? Für Glaeseker könnte es entscheidend für den Ausgang des Prozesses sein. Bisher nämlich zeichnet sich nicht klar ab, wie das Gericht die Ereignisse rund um den Vorwurf von Bestechung und Bestechlichkeit wertet.

Für Glaeseker sprechen einige Umstände: Die „Nord-Süd-Dialoge“ waren tatsächlich ein Politikum, ein Wettbewerb der Regierungen in Stuttgart und Hannover um die Frage, wer mehr Sponsoren aufbieten kann. Dass Wulff dies bewusst war, wie er überhaupt auch von der engen Freundschaft zwischen Schmidt und Glaeseker wusste, werden vermutlich mehrere Zeugen aussagen. Die frühere Ehefrau Christiane Wulff hat dies vergangenen Freitag schon getan.

Dagegen stehen E-Mails zwischen Schmidt und Glaeseker, die sich intensiv um die Sponsorensuche drehen und zeigen, wie wichtig das Geldeinwerben war. Das Gericht forscht zudem intensiv nach, ob Glaesekers Aufenthalte in Spanien nicht doch Urlaube waren. Mehrere Zeugen sagen das – und umstritten sind Aussagen zum Zustand der Finca: Für die einen ist sie „verwahrlost“ gewesen, für andere nicht. Je mehr dafür spricht, dass es tatsächlich Urlaube waren und keine bloßen Freundschaftstreffen, desto stärker wiegt der Korruptionsvorwurf.

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