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Deutschland / Welt Wunschzettel von den Wulffs zum Papstbesuch
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07:34 22.09.2011
Von Simon Benne
Bringt der Papst "befreiende Botschaften" auch für Bettina und Christian Wulff? Quelle: dpa
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Berlin

Auf dem Flughafen Berlin-Tegel will der Bundespräsident den hohen Staatsgast am Donnerstag um 10.30 Uhr in Empfang nehmen. Vorab hat Christian Wulff aber schon einmal durchblicken lassen, was er sich vom Besuch des Papstes erhofft: „Die Millionen Menschen, die in konfessionsverschiedenen Ehen leben, und die Millionen wiederverheirateten Katholiken“, erklärte Wulff gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur, warteten auf „befreiende Botschaften“.

Damit spricht Wulff sehr diplomatisch ein Thema an, das auch ihn persönlich betrifft: Der bekennende Katholik ist geschieden und seit 2008 in zweiter Ehe erneut verheiratet. Da aber die Kirche eine Ehe prinzipiell als unauflöslich ansieht, gilt Wulff gewissermaßen als Ehebrecher und ist von den Sakramenten ausgeschlossen. Auch bei der Papstmesse in Berlin darf er die Kommunion nicht empfangen.

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Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen wird in der Kirche derzeit heiß diskutiert. So hatte jüngst Robert Zollitsch, immerhin Vorsitzender der Bischofskonferenz, mehr Barmherzigkeit gegenüber Menschen angemahnt, „deren Leben in wichtigen Dingen unglücklich verlaufen ist“ – und keinen geringeren als Wulff selbst als Beispiel gewählt: „Er ist für mich ein Katholik, der seinen Glauben lebt und darunter leidet, wie die Situation ist.“ Prompt rüffelten konservative Amtsbrüder Zollitsch: Nur weil Wulff Bundespräsident sei, gebe es für ihn keine Ausnahme, verkündete Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller: „Als Katholik hat er keine besonderen Vorrechte.“

Bewegung scheint bei diesem Thema möglich

Dennoch scheint in dieser Frage mehr Bewegung möglich als bei anderen kirchlichen Dauerstreitthemen: Die oft geforderte Priesterweihe von Frauen zum Beispiel kann der Vatikan nach eigenem Verständnis gar nicht zulassen. Ihr Verbot gilt praktisch als göttliches Recht, das Menschen nicht ändern dürfen. Johannes Paul II. zog 1994 einen Schlussstrich unter die Debatte: Die Kirche habe „keinerlei Vollmacht, Frauen die Priesterweihe zu spenden“. Das Zölibat hingegen gilt nicht als Gebot Gottes. Zur Pflicht wurde die Ehelosigkeit für Priester erst im Jahre 1139, ein Dogma ist sie nicht. Es gibt viele Ausnahmen und Sonderregelungen, theoretisch könnte die Kirche das Zölibat auch ganz kippen – doch das ist unwahrscheinlich.

Bei den Geschiedenen aber sehen sogar gestandene Kardinäle durchaus Spielraum. Bereits im Jahr 1993 drangen die deutschen Bischöfe Oskar Saier, Karl Lehmann und Walter Kasper darauf, neue Wege zu gehen. Damals wurden sie in Rom abgebügelt – von eben jenem Kardinal Joseph Ratzinger, der heute als Papst Benedikt XVI. vor Christian Wulff stehen wird. Gleichwohl mahnte der Bundespräsident nochmals an, keine schematische Antwort auf Einzelschicksale zu geben: „Ich freue mich über jeden Bischof, der sich der Lebenswirklichkeit stellt.“