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Deutschland / Welt Zahl der Todesopfer in Tunesien steigt
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13:12 14.01.2011
Mehr als ein Dutzend Menschen sind bislang bei den Ausschreitungen in Tunesien ums Leben gekommen. Quelle: dpa
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Der Volkszorn auf den tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali wird immer größer. Trotz großer politischer Zugeständnisse des Präsidenten verlangten am Freitag zehntausende Demonstranten in der Hauptstadt Tunis den Rücktritt des 74-Jährigen. Ben Ali reagiert seit 23 Jahren mit autoritärer Hand. Bisher sind bei den blutigen Unruhen mindestens 79 Menschen gestorben. Der Reiseveranstalter Thomas Cook schickte Sondermaschinen nach Tunesien, um seine rund 2000 deutschen Gäste aus dem Land zu holen.

Die Zahl der protestierenden Menschen auf den Straßen von Tunis werde minütlich größer, berichteten Augenzeugen am Freitag. Die Demonstranten riefen „Nein zu Ben Ali“ und nannten ihn „Lügner“.

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Die überall sichtbare Polizei hielt sich zunächst zurück. Bei Ausschreitungen in den vergangenen Tagen hatten Sicherheitskräfte mehrfach auf Demonstranten geschossen. Am Donnerstagabend waren 13 Opfer gemeldet worden. In den Tagen davor kamen nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 66 Menschen bei den Unruhen ums Leben.

Wegen der Unruhen hat das Auswärtige Amt in Berlin von Reisen in das nordafrikanische Urlaubsland abgeraten. Reiseveranstalter schätzen, dass sich etwa 10.000 deutsche Touristen in Tunesien aufhalten.

Der Reiseveranstalter Thomas Cook mit der Hauptmarke Neckermann teilte mit, noch am Freitag würden mehrere Sonderflugzeuge nach Tunesien geschickt, um die deutschen Urlauber von Thomas Cook abzuholen. Alle Abreisen nach Tunesien aus Deutschland bis einschließlich 17. Januar würden abgesagt. Die Gäste können kostenlos zurücktreten oder umbuchen.

Tunesien-Reisende des Veranstalters Tui wollen dagegen ihren Urlaub fortsetzen. Bislang gebe es keine vorzeitigen Abreisewünsche, sagte Tui-Sprecher Mario Köpers in Hannover. Noch am Freitag seien 140 Gäste von Nürnberg aus nach Tunesien geflogen, nur etwa zehn Prozent der gebuchten Kunden hätten den Flug abgesagt.

Ben Ali hatte am Donnerstagabend Zugeständnisse gemacht und für 2014 das Ende seiner Präsidentschaft in Aussicht gestellt. In seiner dritten Fernsehansprache innerhalb weniger Wochen versprach er sinkende Preise für Grundnahrungsmittel sowie mehr Demokratie und die Aufhebung der Internetzensur. Wenig später konnten gesperrte Onlineseiten wie YouTube wieder erreicht werden.

Nach der Präsidentenrede waren trotz eines Ausgehverbots zahlreiche Menschen auf die Straßen gegangen, um die Ankündigungen zu feiern. Hupkonzerte und Freudenschreie hallten durch die Nacht. Regimekritiker vermuteten jedoch, dass es sich größtenteils um Mitglieder der Regierungspartei gehandelt haben könnte.

Die Proteste, die sich ursprünglich gegen die hohe Arbeitslosigkeit richteten, hatten zuletzt immer mehr auf das Regime Ben Alis gezielt und auch Touristenorte erreicht. Am Donnerstag war der 60 Kilometer südlich von Tunis gelegenen Badeort Hammamet betroffen. Mehrere Läden wurden geplündert und eine Polizeiwache zerstört.

Viele Demonstranten zogen am Freitag vor das für die Sicherheitskräfte verantwortliche Innenministerium, das in den vergangenen Tagen immer wieder als „Terrorministerium“ bezeichnet worden war. Weitere Massenproteste wurden aus den Orten Ben Guerden und Kasserine sowie aus der Region um Sidi Bouzid gemeldet.

dpa