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Deutschland / Welt Zehntausende demonstrieren in Berlin gegen Atomkraft
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16:20 01.10.2010
Gegen Atomkraft: Zu der Demonstration gegen Kernenergie werden Sonnabend mehrere tausend Menschen erwartet. Auch aus Niedersachsen sind Organistationen dabei.
Gegen Atomkraft: Zu der Demonstration gegen Kernenergie werden Sonnabend mehrere tausend Menschen erwartet. Auch aus Niedersachsen sind Organistationen dabei. Quelle: dpa
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Zehntausende Menschen haben am Sonnabend im Berliner Regierungsviertel gegen die weitere Nutzung der Atomenergie protestiert. Die Demonstration richtete sich besonders gegen den Plan der schwarz-gelben Bundesregierung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre zu verlängern. Unter dem Motto „Atomkraft: Schluss jetzt“ startete ein langer Protestzug am Mittag am Hauptbahnhof und zog durch die Innenstadt. Am Nachmittag sollte eine Menschenkette um Reichstag und Kanzleramt gebildet werden. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte eine Kundgebung auf der Wiese vor dem Reichstag untersagt.

Anmelder der Demonstration waren mehrere Umweltverbände. Politiker waren als Redner nicht erwünscht. Die Vorsitzenden von SPD, Grünen und Linken kamen aber zu der Veranstaltung.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf der Regierung wegen ihrer Atompolitik das Schüren eines der größten gesellschaftlichen Konflikte der Bundesrepublik vor. „Ich fürchte, dass es nicht nur friedliche Auseinandersetzungen geben wird“, sagte er am Sonnabend am Rande der Großdemonstration.

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, was Union und FDP planten, sei ein Anschlag auf die Demokratie. Die Regierung handele am Parlament vorbei in Hinterzimmern mit den Atomkonzernen die Bedingungen für längere Laufzeiten aus. „Das ist ein sittenwidriger Vertrag, sagte Roth. „Wir werden auf der Straße zeigen, dass diese Politik von Schwarz-Gelb keine Mehrheit hat.“ Man werde auf allen Ebenen gegen die Atompläne kämpfen.

Linke-Chefin Gesine Lötzsch sagte der dpa: „Das ist ein sehr breiter Protest quer durch alle Generationen und Schichten.“ Sie hoffe, dass dies erst der Anfang ist. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi warnte die Regierung davor, den Widerstand in der Bevölkerung gegen längere Atomlaufzeiten zu unterschätzen. „Es entsteht mehr als ein rebellischer Geist in der Bevölkerung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Die Demokratie nimmt durch das derzeitige Regierungshandeln erheblichen Schaden.“

Über dem Gelände zwischen Hauptbahnhof und Spree flatterte schon am Mittag ein Meer von Fahnen im stürmischen Wind. Besonders häufig zu sehen: die gelbe Fahne mit der roten Sonne und dem Schriftzug „Atomkraft? Nein Danke“ der Anti-Atomkraft-Bewegung der 80er Jahre. Daneben wehten aber auch zahlreiche rote Fahnen von SPD und Linke, Transparente der Grünen und der Globalisierungskritiker von Attac.

Auf einem gelbem Bauwagen hinter einem großen Traktor aus Niedersachsen stand: „Jahrzehntelang belogen - jahrtausendelang verstrahlt“. Ein großes Plakat verkündete: „Laufzeitverlängerung - unserer Enkel werden strahlen“.

Zu Beginn der Demonstration spielte die niederländische Band Bots, die zu fast jeder großen Friedensdemonstrationen in den 80er Jahren in Bonn gehörte. Ältere Demonstranten mit grauen Haaren klatschen zu dem alten Hit „Was wollen wir trinken?“. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmer lag eher im oberen Bereich, aber auch junge Eltern mit kleinen Kindern und Schüler liefen mit.

Nach Angaben der Veranstalter kamen drei Sonderzüge und 150 Busse aus ganz Deutschland nach Berlin. Bei der letzten großen Anti-Atom- Demonstration in Berlin vor einem Jahr waren hunderte Bauern aus Niedersachsen mit mehr als 300 Traktoren vor dem Brandenburger Tor aufgefahren. Damals sprach die Polizei von 36 000 Teilnehmern, die Veranstalter von 50 000.

dpa