Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Zu rascher Beschluss zu Beschneidungen?
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Zu rascher Beschluss zu Beschneidungen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:30 21.07.2012
Die Entscheidung in der Sondersitzung des Bundestages am Donnerstag, religiöse Beschneidungen zu erlauben, ging einigen zu schnell. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Im Nachrichtenmagazin „Focus“ machte Papier deutlich: „Ein solches Gesetz ist nicht auf die Schnelle zu machen.“

Das Landgericht Köln hatte Beschneidungen von Jungen aus religiösen Gründen für rechtswidrig und strafbar erklärt. Papier bezeichnete dieses Urteil als „verfehlt“. Das Gericht habe „sehr verkürzt argumentiert“ und nicht hinreichend berücksichtigt, dass es sich bei der Beschneidung für Juden und Muslime nicht nur um eine Tradition handele, „sondern um einen essenziellen Glaubensinhalt“.

Anzeige

Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag des „Focus“ halten es nur 40 Prozent der Deutschen für richtig, Beschneidungen per Gesetz zu erlauben. 48 Prozent sprechen sich dagegen aus.

Der Bundestag hatte in seiner Sondersitzung am Donnerstag mit breiter Mehrheit eine Resolution verabschiedet, in der gefordert wird, die medizinisch fachgerechte Beschneidung aus religiösen Gründen grundsätzlich zu erlauben. Er forderte die Bundesregierung auf, im Herbst einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, kritisierte die Entschließung. „Das ging mir viel zu schnell. Hier wäre ein Moratorium angebracht gewesen“, sagte er dem „Westfalen-Blatt“ am Samstag. Es habe keinen Grund gegeben, sich bei einem Thema, über das vor vier Wochen noch niemand gesprochen habe, so übereilt festzulegen. Die Aufregung auf beiden Seiten sei völlig unangemessen.

Auch der Grünen-Politiker Fritz Kuhn sprach sich für eine klare gesetzliche Regelung aus. In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ warnte er aber ebenfalls vor Eile. „Der Gesetzgeber muss das alles genau abwägen. Dafür muss sich der Bundestag Zeit nehmen.“ Eine Beschneidung von Mädchen sei dagegen eine Körperverletzung. „Die Beschneidung von Jungen kann man nicht mit der Genitalverstümmelung von Mädchen vergleichen“, sagt Kuhn.

dpa

20.07.2012
20.07.2012