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Deutschland / Welt Zum letzten Mal treten am Montag Wehrpflichtige an
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Zum letzten Mal treten am Montag Wehrpflichtige an
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09:25 03.01.2011
Von Klaus von der Brelie
Zum letzten Mal treten am Montag Wehrpflichtige an. Quelle: dpa
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Vom 1. März an will die Bundeswehr nur noch Freiwillige einberufen, Mitte des Jahres werden die Wehrpflicht und auch der Zivildienst für unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Hellmut Königshaus, Wehrbeauftragter des Bundestages, kann nachempfinden, dass viele junge Männer am Montag nur widerwillig den Dienst in den Streitkräften antreten. „Ich kann nachfühlen, dass diese Einberufung zum Dienst als ungerecht empfunden wird, denn die Wehrpflicht betrifft in diesem Jahr nur noch einen kleinen Teil der jungen Männer“, sagte Königshaus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Zufrieden fügte er hinzu, die Bundeswehr als Dienstherr reagiere flexibel und erspare den jungen Leuten soziale Härten. „Bei begründeten Bitten“ würden sie vom Dienst zurückgestellt.

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Der Wehrbeauftragte rief die Bundeswehrführung auf, diesen Kurs beizubehalten: „Wenn jemand beispielsweise durch die Pflicht zur Ableistung seines Wehrdienstes ein ganzes Jahr länger auf seinen Studienbeginn warten muss, dann sollte die Bundeswehr dies zu verhindern wissen. Die Armee sollte sich großzügig zeigen, wie sie das bisher tut.“

Dennoch kann auch Königshaus nicht ausschließen, dass immer dann, wenn jemand unbegründet dem Dienst fernbleibt, Feldjäger in Marsch gesetzt werden, um Wehrpflichtige mit polizeilicher Gewalt in die Kaserne zu holen. „Noch gilt die Wehrpflicht“, betont Königshaus, der vor rund 40 Jahren selbst als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr eingezogen wurde und bekennt, dass er am Montag „eine gewisse Wehmut“ empfinde, wenn er über die wahrscheinlich letzte Einberufung nachdenke.

Von den 12.150 Wehrpflichtigen, die am Montag ihren Grundwehrdienst antreten sollen, werden 6400 beim Heer, 1400 bei der Luftwaffe und 700 bei der Marine ausgebildet. Bei der Streitkräftebasis und im Zentralen Sanitätsdienst werden 2800 beziehungsweise 850 junge Männer ihren Grundwehrdienst absolvieren.

In der alten Bundesrepublik wurde die Wehrpflicht vor fast 54 Jahren eingeführt. Am 1. April 1957 rückten die ersten 9773 Rekruten ein. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums folgten ihnen seither rund 8,5 Millionen. Künftig will die Bundeswehr in jedem Jahr bis zu 15.000 freiwillig dienende Männer und Frauen anwerben. Sie sollen mindestens zwölf und maximal 23 Monate in der Truppe bleiben.

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Die Bundeswehr steht vor einem radikalen Einschnitt: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) plant offenbar, die seit 1956 geltende Wehrpflicht auszusetzen und die Truppenstärke von derzeit 250.000 Soldaten um bis zu 100.000 herabzusetzen.

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