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Deutschland / Welt Zwei Stammesälteste bei Anschlag getötet
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11:14 03.01.2010
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Die Terrorkampagne islamischer Extremisten in Pakistan richtet sich offenbar verstärkt gegen die Bevölkerung in den Stammesregionen. Zwei Tage nach dem Blutbad auf einem Sportplatz mit mindestens 96 Toten sprengten die Aufständischen ein Auto in die Luft, in dem Taliban-Gegner zu einem Treffen mit Behördenvertretern unterwegs waren. Dabei wurden zwei Stammesälteste getötet.

Die Bombe wurde nach Angaben der Behörde ferngezündet, als die beiden Männer auf dem Weg in die Ortschaft Khar waren. Vier weitere Stammesälteste wurden schwer verletzt. Sie wollten in der Region Bajaur eine Miliz zur Verteidigung gegen die Taliban gründen. In der Nähe von Mamund wurden am Sonntag die von Kugeln durchsiebten Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden, zusammen mit einer schriftlichen Notiz, wonach das Paar gegen das islamische Recht verstoßen haben soll.

Auch zum Zeitpunkt des verheerenden Anschlags am Freitag in Lakki Marwat fand ein Treffen von Stammesältesten in einer nahe gelegenen Moschee statt, wie Polizeichef Ajub Chan am Sonnabend mitteilte. Der Täter steuerte sein mit Sprengstoff beladenes Auto auf einen Sportplatz, als dort gerade ein Volleyball-Turnier vor 300 Zuschauern stattfand. Laut Polizei brachte er rund 250 Kilogramm Sprengstoff zur Explosion. Durch die Wucht der Detonation stürzten mehr als drei Dutzend umliegende Häuser ein. Der Anschlag war vermutlich ein Racheakt islamischer Extremisten, weil Bewohner von Lakki Marwat eine eigene Miliz zur Verteidigung gegen die Fundamentalisten gegründet haben.

Lakki Marwat liegt in unmittelbarer Nähe von Nord- und Süd-Waziristan, zwei Zentren der Aufstandsbewegung. Im südlichen Teil haben die pakistanischen Streitkräfte mit Unterstützung der USA im Oktober eine Großoffensive gegen Kämpfer von Taliban und Al Kaida begonnen. Seitdem sind mehr als 500 Menschen bei Bombenanschlägen ums Leben gekommen.

US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte den Anschlag scharf. Die USA stünden weiter an der Seite der Menschen in Pakistan, die sich für Demokratie und gegen Gewalt einsetzten. Der pakistanische Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani erklärte am Samstag, die Terroristen wollten das Land destabilisieren und Angst und Schrecken verbreiten. Der regionale pakistanische Informationsminister Mian Iftikhar Hussain bekräftigte die Entschlossenheit der Regierung, weiter gegen die Extremisten vorzugehen. „Wir müssen sie noch offensiver bekämpfen“, sagte er.

apd