Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Zweifel der Deutschen am Bundeswehr-Einsatz wachsen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Zweifel der Deutschen am Bundeswehr-Einsatz wachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:52 17.02.2010
Deutsche Soldaten beim Einsatz in Afghanistan. Quelle: dpa
Anzeige

Nur noch 50 Prozent stimmen der Mission am Hindukusch zu, vor einem Jahr waren es noch 64 Prozent. Dagegen ist die Zustimmung für die Einsätze auf dem Balkan noch immer recht hoch, 66 Prozent begrüßen die Mission im Kosovo, 64 Prozent den Einsatz in Bosnien.

38 Prozent werten den Einsatz in Afghanistan als mehr oder weniger erfolgreich, 27 Prozent sind gegenteiliger Meinung und sprechen von einem Misserfolg. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Skepsis deutlich gewachsen. Bei der repräsentativen Befragung im Jahr 2008 mochten nur 17 Prozent von einem Misserfolg sprechen. Immerhin, 51 Prozent stimmen jetzt dafür, dass die Bundeswehr in Afghanistan weiterhin den Aufbau unterstützt. 49 Prozent fordern einen sofortigen Rückzug aller deutschen Soldaten.

Anzeige

Mehr als ein Drittel der Befragten (38 Prozent) vertrat die Auffassung, dass sich der Afghanistan-Einsatz negativ auf die Sicherheitslage in Deutschland auswirkt. Allerdings glauben fast zwei Drittel (62 Prozent), dass die Beteiligung der Bundeswehr das Ansehen Deutschlands in der westlichen Welt verbessert. Drei Viertel sprachen sich dafür aus, dass die Bundeswehr in Afghanistan in erster Linie Aufbauarbeit leisten sollte. 34 Prozent meinten dagegen, dass sich die Soldaten in ihrem Einsatzgebiet in Nordafghanistan auch an Kampfeinsätzen gegen die Taliban beteiligen sollten.

Das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr in Strausberg bei Berlin misst seit 1996, wie die Deutschen über die Armee denken und wie sie deren Leistungen beurteilen. Dabei fällt dieses Mal auf, dass das Ansehen der Bundeswehr in der deutschen Bevölkerung unverändert hoch ist. 86 Prozent der Bundesbürger haben eine positive Haltung zu den Streitkräften. Polizei, Bundesverfassungsgericht und Militär genießen der neuen Studie zufolge in Deutschland weit mehr Vertrauen als etwa Politik, Kirchen oder andere Institutionen.

72 Prozent haben eine positive Einstellung zur Wehrpflicht. Auf die Frage, ob die Wehrpflicht abgeschafft werden sollte, antworteten 59 Prozent mit Nein.

Nahezu vorbehaltlos spricht sich eine Mehrheit für den Einsatz der Bundeswehr aus, wenn es um die Abwehr von Terrorangriffen in Deutschland geht. So möchten 89 Prozent, dass die Armee Kernkraftwerke, Chemiefabriken und ähnliche Anlagen gegen Terroranschläge schützt. 87 Prozent möchten Soldaten einsetzen, wenn es um den Schutz von Bahnhöfen und Flughäfen geht.

Dass 98 Prozent der Befragten die Hauptaufgabe der Bundeswehr darin sehen, Deutschland bei einem militärischen Angriff zu verteidigen, dürfte niemand überrascht haben, wohl aber die Tatsache, dass 78 Prozent Soldaten einsetzen möchten, um illegale Einwanderungen zu unterbinden.

Das Sozialwissenschaftliche Institut hatte zwischen September und November 2009 rund 2100 Bundesbürger befragt. Jedes Interview dauerte rund eine Stunde.

Klaus von der Brelie

Mehr zum Thema

Die pakistanische Armee hat am Mittwoch die Festnahme des Militärchefs der radikalislamischen Taliban offiziell bestätigt.

17.02.2010

Die Internationale Schutztruppe ISAF hat am Montag erneut versehentlich Zivilisten in Südafghanistan getötet. Die NATO- geführte ISAF teilte mit, bei einem Luftangriff in der Provinz Kandahar seien fünf Zivilisten getötet und zwei weitere verletzt worden.

15.02.2010

Zwei Tage nach dem Beginn ihrer Großoffensive in Südafghanistan haben die ISAF-Truppen offenbar einen Teil der umkämpften Region unter ihre Kontrolle gebracht. Die Offensive könnte allerdings noch länger andauern - bis zu 30 Tage, hieß aus Militärkreisen.

15.02.2010