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Nachrichtenticker Angeklagter Boston-Täter: Bruder stand hinter Bombenattentat
Nachrichten Politik Nachrichtenticker Angeklagter Boston-Täter: Bruder stand hinter Bombenattentat
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21:00 23.04.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Der schwer verletzte 19-jährige Dschochar Zarnajew wird im Krankenhaus behandelt. In den Gesprächen mit den Ermittlern soll er kooperativ sein.
Der schwer verletzte 19-jährige Dschochar Zarnajew wird im Krankenhaus behandelt. In den Gesprächen mit den Ermittlern soll er kooperativ sein. Quelle: Michael Reynolds
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Washington

t. Wie Dschochar Zarnajew (19), im Krankenhaus aussagte, sei Tamerlan (26) treibende Kraft gewesen. Er habe sich vom Heiligen Krieg motivieren lassen und den Islam retten wollen, sagte er. Nach Berichten des Senders CNN habe sich der Zustand des jungen Mannes deutlich verbessert. Er bleibe vernehmungsfähig.

Zarnajew, der nach wie vor einen Beatmungsschlauch in seinem Rachen hat, zeige sich in den Gesprächen mit den Ermittlern kooperativ, hieß es. Er kommuniziere mit ihnen schriftlich oder durch Kopfbewegungen. Sein älterer Bruder Tamerlan sei besessen von der Idee gewesen, dass der Islam attackiert werde und die selbsternannten Gotteskrieger zurückschlagen müssten, erklärte Zarnajew. Dabei habe das Internet eine große Rolle gespielt, meldete der TV-Sender CNN am Dienstag unter Berufung auf einen Regierungsmitarbeiter. Der schwer verletzte Dschochar Zarnajew war tags zuvor wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen angeklagt worden. Ihm droht die Todesstrafe.

Möglicherweise schützte den älteren Zarnajew ein Tippfehler in Einreisedokumenten vor Verfolgung durch US-Ermittler. Nach Berichten von US-Medien sei Tamerlan Zarnajew 2012 unerkannt von einem Besuch im Kaukasus in die USA heimgekehrt. Bereits 2009 hatte der russische Geheimdienst Alarm geschlagen. Das FBI kam der Bitte nach, Tamerlan auf radikale Tendenzen zu überprüfen. Man befürchtete, er könnte sich einer radikalen Untergrundorganisation anschließen. Das FBI prüfte - ergebnislos.

Am Dienstag wurde auch bekannt, dass Tamerlan Zarnajew zweimal in Österreich war. 2007 und 2009 soll er sich insgesamt etwa eineinhalb Wochen bei Box-Veranstaltungen in Salzburg und Innsbruck aufgehalten haben. Entsprechende Medienberichte bestätigte das österreichische Innenministerium der Nachrichtenagentur dpa.

Die Ermittler müssten nun Tamerlans Internetaktivitäten auswerten. Außerdem gewannen sie weitere Erkenntnisse aus Videoaufnahmen am Tatort des 15. April. Auf den Bildern, die den jüngeren der beiden Brüder zeigen, habe dieser völlig ruhig und gelassen gewirkt, als er den schwarzen Rucksack mit der mutmaßlichen selbstgebauten Bombe in der Zuschauermenge vor der Ziellinie des Boston-Marathons plazierte.

Der 19-Jährige muss sich vor einem Zivilgericht wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen verantworten. Eine Richterin verlas dem durch mehrere Schusswunden Verletzten am Montag die Anklageschrift am Krankenbett in einer Bostoner Klinik. Zarnajew soll der Anklagebehörde zufolge für den Tod von drei Menschen und die Verletzungen von 200 weiteren zur Verantwortung gezogen werden.

Während der Anklageverlesung sei Zarnajew "wach, mental aufnahmefähig und bei klarem Verstand" gewesen, gab Richterin Marianne B. Bowler zu Protokoll. Auf die Frage, ob er in der Lage sei, einige Fragen zu beantworten, habe der Angeklagte deutlich genickt. Infolge seiner Verletzungen kann er nicht sprechen. Ein einziges Wort habe Zarnajew gesagt: ein "Nein" auf die Frage, ob er sich einen Anwalt leisten könne. Ihm wurde ein Rechtsbeistand zur Seite gestellt.

Der Bombenanschlag der vergangenen Woche wirbelte auch die Debatte um eine Reform des Einwanderungsrechts in den USA auf. Einige republikanische Politiker mahnten die Sicherheitsinteressen an und plädierten dafür, den derzeit laufenden Prozess zu überdenken. "Lasst uns nicht so grausam sein und die abscheulichen Taten zweier junger Männer nutzen, um die Träume und Zukunft von Millionen hart arbeitender Menschen zu zerschlagen", warnte dagegen der demokratische Senator Patrick Leahy am Montag in einer Anhörung.

  

dpa

Deutsche Presse-Agentur dpa 23.04.2013
Deutsche Presse-Agentur dpa 23.04.2013