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Niedersachsen 16 Piraten möchten Kapitän sein
Nachrichten Politik Niedersachsen 16 Piraten möchten Kapitän sein
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08:40 29.03.2012
Von Klaus Wallbaum
16 Piraten streiten sich um den Spitzenplatz in der Landesliste. Quelle: dpa
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Hannover

Die Piraten in Niedersachsen, die gerade ihr 2000. Mitglied begrüßt haben, bieten ein Beispiel für die Schrankenlosigkeit des Internets. In drei Wochen wird die Landesliste für die Landtagswahl aufgestellt, das ist viel früher als bei allen anderen Parteien. Für den Spitzenplatz auf der Liste haben sich inzwischen 16 Bewerber gemeldet – 15 Männer und eine Frau. Regionale oder andere Grüppchenbildungen sind nicht zu erkennen. Der Landesvorsitzende Andreas Neugebauer aus Delmenhorst betont: „Wir sind anders als andere Parteien.“

Nun sind unter den 16 Anwärtern für die Spitzenposition durchaus Leute, die bisher schon aktiv waren in der Partei. Der IT-Spezialist Steven Maaß aus Hemmingen (Region Hannover) ist beispielsweise jemand, der im hannoverschen Verband von sich reden gemacht hat. Ylva Meier, einzige Frau unter den Interessenten für den Spitzenplatz, arbeitet im Presseteam des Landesvorstandes, und der Dozent Meinhart Krischke Ramaswamy aus Göttingen führt die Kasse des Landesverbandes, nennt sich selbst daher „Schatzpirat“. Der Kaufmann Christian Koch aus Hildesheim wirkt seit Jahren als Organisator im Landesverband, als einziger wird er offen von einem Mitbewerber für Platz eins, Kevin Price aus Osnabrück, unterstützt: „Ich wäre auch ein Fan von Chris Koch auf dem Spitzenplatz, sofern er die Zeit dafür aufbringen kann.“

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Die Piraten stellen am 21. und 22. April in Nienburg ihre Landesliste auf, und das Verfahren ist ungewöhnlich, möglicherweise auch sehr langwierig: Alle Bewerber für jeden Platz kommen auf die Bühne und werden dann von den Anwesenden befragt. Welche Fragen kommen, ist nicht absehbar – es gibt kein Delegiertensystem, jedes Mitglied kann kommen. Damit ist es vom Zufall abhängig, welche Gruppen von den landesweit 2000 Piraten anwesend sein werden.

Anschließend wird abgestimmt – und jedes anwesende Mitglied der Piraten kann so viele Stimmen abgeben, wie Kandidaten für den Listenplatz zur Verfügung stehen. Wer am Ende die meisten Stimmen bekommen hat, ist der Sieger und führt die Liste für die Landtagswahl an. Nur eine Bedingung gibt es: Jemand ist nur dann gewählt, wenn wenigstens die Hälfte der Anwesenden ihn unterstützt hat. Eine kleine Vorkehrung gegen eine ausufernde Befragung haben die Piraten schon getroffen – die Kandidaten sollen sich vorher im Netz äußern. Die Fragen, die dort gestellt werden, sind teilweise recht allgemein: Was die Bewerber verdienen, was sie in der Politik bewegen wollen, wie sie zum Vorwurf der Ämterhäufung stehen, wollen die Fragesteller wissen.

Der Landesvorsitzende Neugebauer, 46-jähriger Informatiker, hat für sich eine Kandidatur für den Landtag ausgeschlossen. Forsch ist er aber dabei, politische Inhalte zu formulieren. Ein Wahlprogramm sei zwar noch in Arbeit, sagt er, nach den Sommerferien wolle man dazu entscheiden. Aber die politischen Themen, die Neugebauer vertritt, sind schon recht grün geprägt: Die Piraten lehnen das Fracking bei der Erdgasförderung ebenso ab wie die Auswüchse der Massentierhaltung, sie warnen vor den Gefahren der Atomkraft – „und natürlich streiten wir für Bürgerrechte und die Freiheit im Internet, das sind ja unsere Kernthemen“, sagt Neugebauer.

Klaus Wallbaum 27.03.2012
Klaus Wallbaum 25.03.2012