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Niedersachsen Land alarmiert 17.000 pensionierte Lehrer
Nachrichten Politik Niedersachsen Land alarmiert 17.000 pensionierte Lehrer
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00:18 30.10.2015
Von Heiko Randermann
Die pensionierten Lehrer sollen von Februar an in den Schulen helfen. Quelle: dpa
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Hannover

Niedersachsens Landesregierung macht ihre Ankündigung wahr und bittet pensionierte Lehrer um Hilfe bei der Sprachbildung von Flüchtlingen. Rund 17 000 Ruheständler erhalten in diesen Tagen Post von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, in der sie gebeten werden, sich befristet als Lehrkräfte für Sprachkurse zu verpflichten.

Die Lehrer im Ruhestand sollen ab dem 1. Februar 2016 für mindestens sechs Monate und höchstens zwei Jahre Sprachförderunterricht erteilen. Die Unterrichtsverpflichtung ist verbindlich, zwischen Land und Lehrer wird ein Vertrag geschlossen. Es gibt dafür auch Geld, für die Pensionäre gelten aber Zuverdienstgrenzen, die unter anderem von der Eingruppierung der Lehrkraft abhängt. In der Regel können pensionierte Lehrer bis zu sieben Stunden in der Woche unterrichten, bevor sie die Zuverdienstgrenze erreichen.

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„Wir wünschen uns natürlich, dass möglichst viele unserer Bitte folgen werden, damit wir den Bedarf der Schulen nach solchen Verträgen erfüllen und damit die Arbeit der regulären Lehrkräfte ergänzen können“, sagte Heiligenstadt der HAZ. Die erste Resonanz zeige, dass die Hilfsbereitschaft groß sei.

Die Pensionäre können sich über ein Online-Portal bewerben, das über die Homepage des Kultusministeriums www.mk.niedersachsen.de zu erreichen ist. Idealerweise bringen sie Erfahrungen im Bereich Deutsch als Zweitsprache mit, zwingend vorausgesetzt werden diese jedoch nicht.

Um genügend Sprachförderkurse auf die Beine zu stellen, will das Land auch Lehrer einstellen. Insgesamt 700 Stellen sind dafür im Haushalt verankert. Allerdings ist weder klar, wie viele geeignete Bewerber sich derzeit finden lassen, noch wie viele Flüchtlingskinder tatsächlich in den niedersächsischen Schulen im Laufe der nächsten Monate ankommen werden. Derzeit ist der größte Teil noch in den Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht. Erst wenn sie den Kommunen zugewiesen werden, müssen sie in die Schule gehen. Rund 95 000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr in Niedersachsen erwartet, etwa ein Drittel davon befindet sich nach Schätzungen des Landes im schulpflichtigen Alter.

Bei Lehrerverbänden stieß die Maßnahme des Kultusministeriums nicht auf Kritik, aber durchaus auf Skepsis. „Das ist ein Notanker“, sagt Manfred Busch, Chef des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte. Viele Pensionäre seien längst als Sprachlehrer ehrenamtlich aktiv. Man dürfe auch die Anforderungen an die Lehrkräfte nicht unterschätzen. „Es gehört mehr dazu, als deutsch zu sprechen und die Grammatik zu können“, so Busch.

Der wichtigere Schritt sei die Ausschreibung der 700 Lehrerstellen, sagt auch Eberhard Brandt, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Er sei zuversichtlich, dass sich genügend Bewerber finden werden: „Das spricht sich ja herum, dass Niedersachsen einstellt.“ Dass darüber hinaus auch Pensionäre um Hilfe gebeten werden, hält Brandt für richtig, betont aber auch: „Wichtig ist, dass nicht auf unqualifizierte Leute zurückgegriffen wird.“     

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