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Niedersachsen 19.000 Polizisten sollen den Castor begleiten
Nachrichten Politik Niedersachsen 19.000 Polizisten sollen den Castor begleiten
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20:56 16.11.2011
Von Karl Doeleke
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Hannover

Der Castor soll in diesem Jahr nach Angaben der Gegner früher aufbrechen als in der Vergangenheit – statt wie gewöhnlich am Freitagabend schon am kommenden Donnerstagmittag. „Das wäre rund 36 Stunden früher als gewöhnlich“, sagte Kerstin Rudek, Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz, am Mittwoch in Hannover. Erwartet wird, dass er dann am ersten Adventswochenende im Wendland eintrifft.

Der Gesamteinsatzleiter bei der Polizeidirektion Lüneburg, Friedrich Niehörster, trennt bei der Einsatzplanung streng zwischen den friedlichen Atomkraftgegnern aus dem Wendland und rund 300 gewaltbereiten Extremisten, die nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden den Weg ins Wendland suchen könnten. „Diesen Menschen reicht der friedliche Protest nicht“, sagte Niehörster am MIttwoch in Hannover. Er richtete einen Appell an die große Mehrheit der Demonstranten: „Bei Straftaten sollte man aussteigen.“

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Thomas Osterroth, Präsident der Bundespolizeidirektion Hannover, betonte, die Polizei werde „mit Augenmaß“ handeln. Osterroth stellte aber auch klar: „Wir werden unseren Auftrag konsequent umsetzen.“ Der Auftrag der etwa 8000 Bundespolizisten wird der Schutz des Bahntransports bis in die Verladestation in Lüchow-Dannenberg sein. Die Bundespolizei hat daher besonders die Aktion „Castor Schottern“ im Auge, deren Aktivisten bemüht sind, den Transport zu stoppen, indem sie den Schotter aus dem Gleisbett graben. Das sei eine Straftat, sagte Osterroth, auch der öffentliche Aufruf dazu. „Wir werden Straftaten konsequent verhindern und repressiv verfolgen.“

Niehörster verschärfte den Ton gegenüber der Bäuerlichen Notgemeinschaft. Die hatte im vergangenen Jahr mit bis zu 600 Traktoren etliche Blockaden errichtet und so unter anderem Versorgungsengpässe bei der Polizei ausgelöst. Viele Beamte mussten mit knurrendem Magen ihren Dienst versehen. „Wir können uns Blockaden in dieser Form nicht mehr bieten lassen“, kündigte Niehörster an. „Ich wüsste nicht, dass es in diesem Jahr weniger Trecker geben wird“, entgegnete Carsten Niemann von der Notgemeinschaft. „Es geht nicht darum, Polizisten am Essen zu hindern“, stellte er klar.

Die Atomkraftgegner rechnen trotz des Ausstiegs der schwarz-gelben Bundesregierung aus der Kernenergie auch in diesem Jahr wieder mit zahlreichen Protesten gegen den Castor. An der zentralen Kundgebung am 26. November in Dannenberg dürften nach Rudeks Einschätzung wieder mehrere zehntausend Menschen teilnehmen. Im vergangenen Jahr hatten nach Angaben der Castor-Gegner bis zu 50.000 Menschen gegen den Atomtransport demonstriert. Die Polizei gab die Zahl der Demonstranten mit 25.000 an.

Die Gegner wollten sich aber gar nicht an der Mobilisierung im vergangenen Jahr messen lassen, sagte die BI-Vorsitzende Rudek. „Maßstab ist der Castor 2008. 2010 war eine Sondersituation.“ Damals hatte die inzwischen zurückgenommene Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke für einen Mobilisierungsschub gesorgt. Mit einer Castor-Attrappe in Originalgröße haben am Mittwoch rund 100 Demonstranten gegen den Transport in Hannovers Innenstadt protestiert. Der Zug ging vom Steintor bis zum Opernplatz.