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Niedersachsen 300 Atomkraftgegner protestieren in Gorleben
Nachrichten Politik Niedersachsen 300 Atomkraftgegner protestieren in Gorleben
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18:23 21.03.2010
Atomkraftgegner demonstrieren gegen die Wiederaufnahme der Erkundung des Salzstocks als Atommüllendlager.
Atomkraftgegner demonstrieren gegen die Wiederaufnahme der Erkundung des Salzstocks als Atommüllendlager. Quelle: dpa
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Mitglieder der Bäuerlichen Notgemeinschaft rückten mit rund 60 Traktoren an, mit deren Hilfe sie Hütten in der Nähe des Salzstocks errichten wollten. „Die Zeichen stehen im Wendland auf Sturm. Die Ankündigung von Schwarz-Gelb, alternativlos auf Gorleben als Atommüllendlager für hoch radioaktive Abfälle zu setzen, empfinden viele Menschen im Wendland als offene Provokation“, sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

Die Polizei ging gegen einige Demonstranten mit Pfefferspray vor, weil Beamte sich nach Sprecherangaben bedroht fühlten und attackierten wurden. „Die Polizisten wollten den Hüttenbau zur Dokumentation per Video aufnehmen“, sagte ein Sprecher. Dabei seien sie von mehreren Personen attackiert und von einem Traktor bedrängt worden. Ein Demonstrant wurde zunächst festgenommen und wenig später wieder freigelassen.

Währenddessen ist Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) nach einem „Focus“-Bericht mit seinen Plänen zur Standortsuche für ein Atomendlager auf Kritik im Vorstand der Unions-Bundestagsfraktion gestoßen. Sie entzündete sich dem Magazin zufolge daran, dass er die Erkundung des Salzstocks Gorleben als ergebnisoffen bezeichnete und wissenschaftliche Studien zu Alternativen in anderen Gesteinsformationen ankündigte. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich habe ihn aufgefordert, dies in der Bundestagsfraktion nicht zu wiederholen. Seinen Stellvertreter Max Straubinger zitiert der „Focus“ mit dem Satz: „Keine Diskussion über alternative Standorte, sonst zünden wir die ganze Republik an.“

Die Landesregierungen in Süddeutschland, wo zahlreiche Atommeiler stehen, lehnen den Bau eines Endlagers in ihren Regionen strikt ab. In der Vergangenheit hatte es Überlegungen gegeben, dass sich zum Beispiel auch bestimmte Gesteinsformationen im Schwarzwald als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll eignen könnten.

Kritik erntete Röttgen auch von den Grünen. Die aus dem Wendland kommende Europaabgeordnete Rebecca Harms warf ihm vor, er sage das Richtige und tue das Falsche. „Eine verantwortbare Suche nach einem geeigneten Endlager sollte vergleichend und ergebnisoffen sein.“ Röttgen schlage jedoch mit der Fortsetzung der Arbeiten im Gorlebener Salzstock wieder den verantwortungslosen alten Weg ein. Der Streit in der Unionsführung beweise, dass es nicht die Geologie sei, die für Gorleben spreche, sondern nur politischer Opportunismus.

lni