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Niedersachsen Ärger auf dem Acker im Wendland
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22:18 28.06.2011
Von Stephan Fuhrer
Selbstjustiz der Bauern: Trecker räumen ein Protestcamp in Teplingen.
Selbstjustiz der Bauern: Trecker räumen ein Protestcamp in Teplingen. Quelle: dpa
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Teplingen

Jetzt herrscht wieder Notstand auf dem Acker – doch die Gegner tragen dieses Mal nicht grün, sie sind für den Tierschutz unterwegs.

Mit Treckern und allerlei weiteren landwirtschaftlichen Gerätschaften haben Bauern in Teplingen Aktivisten von der besetzten Baustelle eines Landwirts vertrieben. Auf dem Gelände soll ein Geflügelmastbetrieb entstehen. Er ist amtlich genehmigt.

Es sei wie „auf einem Schlachtfeld“ zugegangen, berichteten die Tierschützer, die die Baustelle seit Sonntag besetzt gehalten hatten. Mit zehn Traktoren donnerten die entnervten Bauern auf die Baustelle und drängten ein Dutzend Demonstranten beiseite. „Die Landwirte sind mit extremer Brutalität vorgegangen“, berichtete gestern die Aktivistin Sanja Schulze. So seien die rund 15 beteiligten Männer mit ihren Treckern ohne Vorwarnung über die Zelte der kampierenden Demonstranten gerollt.

Die herbeigerufene Polizei hatte Mühe, zwischen den Streitparteien zu schlichten. „Ein Polizist ist vor Ort von einem Demonstranten mit einem Spaten bedroht worden“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Ermittlungen laufen – gegen die Bauern wie auch gegen die Demonstranten.

Dem Angriff der Landwirte vorausgegangen waren offenbar wütende Proteste der Tierschützer, die den Bauherrn auf seinem Trecker mit Steinen beworfen und verletzt haben sollen. Daraufhin rief der Bauer die Polizei, die die Aktivisten vom Gelände verwies – ohne Erfolg.

Der Teplinger Landwirt plant auf dem Gelände den Bau einer Hühnermastanlage für rund 40.000 Tiere. Das allein dürfte nicht so viele Tierschützer auf dem Plan rufen, doch der Stall im Wendland steht in direktem Zusammenhang zum im Bau befindlichen Großschlachthof in Wietze (Kreis Celle). Überall in Ost-Niedersachsen entstehen derzeit Mastställe. Proteste gab es schon mancherorts, von den Bauern vertrieben aber wurden die Tierschützer noch nirgends.

Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen im Landtag, Christian Meyer, kritisierte die Räumung scharf. „Es ist nicht zu akzeptieren, dass einzelne Landwirte Selbstjustiz üben und Gewalt anwenden“, sagte Meyer. Die Landesregierung habe mit ihren Subventionen für Wietze „Tür und Tor für den Stallbauboom im Osten Niedersachsens geöffnet“.

Der niedersächsische Landesbauernverband verurteilte die Selbstjustiz der Landwirte, zeigte aber auch Verständnis. „Einfach ein fremdes Grundstück zu besetzen, ist auch kein demokratisches Vorgehen“, sagte eine Sprecherin.